Montag, 29. Juli 2013

Ich hab Jogurt im Kopf

Nach der guten Beratung in der Touristinfo wagten wir also den mutigen Schritt runter vom Highway ins gefährliche Landesinnere und landeten quasi direkt in absoluter Stille. Kaum Autos (also auch kein Stau mehr hinter uns) und kaum Leute.


... und kaum Wolken


Wenn wir uns den Campingplatz tatsächlich mit jemandem teilen mussten waren es nur noch Rentner und nicht diese partyverrückten jungen Leute ;-) Die Uhr tickt auch gleich ganz anders hier. Ab um 7 sind alle im Bett, dafür ist ab halb 6 morgens schon wieder jeder raus... außer uns :) Am ersten Tag gönnten wir uns eine Runde Ausschlafen und fanden uns beim Aufstehen halb 9 auf einmal mutterseelenallein auf dem Parkplatz wieder :)

Die Landschaft ist plötzlich wieder völlig anders und neben tollen Aussichten auf Berge, Kuhweiden und Pferdekoppeln gibt's jetzt riesengroße Kakteenbäumen am Straßenrand. Aber da ihr vielleicht schon genug davon habt, Landschaftsbeschreibungen und Wanderberichte zu lesen, erzählen wir lieber von ein paar anderen Abenteuern.

Angelabenteuer


Wanderabenteuer in der Cania Gorge -
fast wie im Elbsandsteingebirge


Da wäre zum Beispiel die Schildkrötenrettung. Während ich noch von den Kakteen fasziniert war, riss mich Tobi nämlich überraschend aus meinem Schwärmen mit dem Satz: "Da war 'ne Schildi auf der Straße". Ich dacht noch kurz ich hätte mich verhört (ja klar, 'ne Schildi auf der Straße), da hatte Tobi schon den Rückwärtsgang reingehauen und tatsächlich - da lag 'ne Schildi auf der Straße! Glücklicherweise hatte sie sich genau in der Straßenmitte dazu entschieden, alle Enden einzuziehen, ansonsten hätten die vorbeidonnernden Laster wahrscheinlich schon Brei aus ihr gemacht. Wir den armen gepanzerten Freund also erstmal von der Straße getragen und überlegt. Das geschulte Auge erkannte sofort, dass es eine Wasserschildi war (spätestens am Geruch hätte man's festgestellt). Laut Kartenmaterial gab es in der Gegend aber nur einen Fluss und der war grad leer. Wir hatten also die Wahl zwischen
 a) Schildi am Straßenrand zurücklassen - Überlebenswahrscheinlichkeit eher gering, v.a. wenn sie etwas verbimmelt zurück auf'n Asphalt watschelt
oder b) Schildi fachgerecht verpacken und ins Auto verfrachten, in der Hoffnung einen noch wasserführenden Tümpel entlang des Weges zu entdecken
So viel zu Überlegen gab's am Ende nicht und wir haben sie angesackt und mitgenommen. Ein paar Kilometer weiter gab's dann tatsächlich ein Wasserloch und Tobi hat sich todesmutig durchs hohe Gras gekämpft, um Edgar (so hatte er den Kleinen inzwischen getauft) in die Freiheit zu entlassen.

Freiheitskämpfer


Abends stellten wir bei der Internetrecherche übrigens fest, dass es sich um eine der bedrohten australischen Schlangenhalsschildkröten gehandelt hatte. Nun... eine mehr, die für Nachwuchs sorgen kann, um die Art zu erhalten.

Nächstes Abenteuer: Knüppelkuchen. Auch als Stockkuchen oder Knüppelteig bekannt. Man pampst ein bisschen Mehl mit Milch zusammen, Zucker rein und fertsch. Die Masse klebt sich jeder der Lust auf Nachtisch hat, an einen Stock und hält das ganze über's Feuer. Am Ende schmeckt's wie ein süßes Brötchen :) Den letzten Knüppelteig gab's bei mir vor etwa 15 Jahren im Ferienlager in Ungarn, bei Tobi ist es sogar noch bisschen länger her. Umso größer war die Freude nun und mit an Wahnsinn grenzender Euphorie wurde der Akt des Backens zelebriert *nom nom nom*


wohooo!!!! Knüppelteig!!!!



Am nächsten Morgen wachten wir übrigens bei eisigen 5°C auf und beschlossen, das mit dem Feuer jetzt wohl öfter zu machen :)

Ein Stückchen weiter auf unserem Weg entdeckten wir den Wuruma Stausee. Erwartet hatten wir wenig bis nichts, denn bisher hatte uns niemand etwas darüber berichtet. Aus einem "Wir fahren mal hin für ein zweites Frühstück" wurden am Ende aber tatsächlich drei wunderschöneTage, denn die Landschaft war - erneut - überwältigend. Kleiner Bonus neben toller Aussicht: wenig Andrang :) In der Tat scheint das Fleckchen ein kleiner Geheimtip zu sein. Praktischerweise ist das Übernachten auch noch kostenlos und somit hat der See es direkt auf Platz 1 unserer eigentlich nicht vorhandenen Top10-Liste geschafft :) Wo wenig Leute sind gibt's natürlich viel Natur - hier v.a. Schildkröten, Vögel und - das Gebiet des Stausees ist privates Weideland - Kühe. Neben den ornitologischen Freuden konnten wir nun also auch noch Wiederkäuer hinter unserem Van beobachten. Fetzt! :)

wenn's juckt...

unser Haus- und Hofkomoran beim Sonnenbaden


vor der Kamera und dahinter


Weitere Aktivitäten zum Zeitvertreib bestanden aus Kartenspielen beim Nachbarn, Selbstgebrannten verkosten bei anderen Nachbarn, Schwimmen im See, ganz viele Fotos knipsen und Sonnenbaden. Dank geschützer Lage und großer Entfernung zur Küste gibt's hier nämlich wieder milde Temperaturen und kaum noch Regen. Wir machten Knüppelteig und Foliekartoffeln im inzwischen allabendlichen Lagerfeuer, hörten Frösche knacken und Pelikane grunzen. Außerdem freuten wir uns über Sonnenuntergänge, Nebelschwaden über'm See bei Sonnenaufgängen und eine Milchstraße, die so gut zu erkennen ist, dass man sogar ihr Spiegelbild auf der Wasseroberfläche bewundern kann.


die Venus sagt noch Gute Nacht

morgendliche Aussicht

Not macht erfinderisch - nur weil Strom fehlt heißt das nicht,
dass es der Kaffee auch muss

Wenn's am Schönsten ist, soll man aber bekanntlich gehen, also dampften wir gestern schweren Herzens wieder ab. Die Rückkehr ist schon geplant, aber vorerst machen wir für 4 Tage an der Küste nördlich von Brisbane Halt. Der Ort heißt Noosaville und wahrscheinlich wären wir hier nie hergekommen... Aber ein gute Bekannte aus Perth hat zufällig eine Ferienwohnung und schlug uns vor, in dem kleinen Nobelörtchen mal für ein paar Tage dem Camperleben zu entfliehen. Da sagen wir nicht nein und als deutlich wurde, dass sie uns dazu einlädt sagten wir noch weniger nein.
Gelandet sind wir nun in einem 4,5 Sterne Resort und können gar nicht so richtig fassen, wie sehr das Glück doch auf unserer Seite ist.



Blick von einem der beiden Balkone



Blick durch die Wohnküche

Nach 1000x Danke sagen versuchen wir nun also dieses "Geschenk" einfach anzunehmen und freuen uns auf ein paar superentspannte Tage nach ohnehin schon superentspannten Tagen...


Kleiner Einblick in unseren lustigen Alltag zum Schluss:
ich: "Ich hab Jogurt im Kopf."
Tobi grinst zustimmend...
Und dabei wollte ich doch nur einen Vorschlag bringen, was es zum Nachtisch gibt...

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