Samstag, 9. November 2013

Home is where your heart is

Wir nähern uns unaufhaltsam dem Ende unseres Australienabenteuers. Man könnte jetzt sentimental werden... Man könnte erzählen, wie sehr wir uns auf Perth freuen. Wieder dorthin zurückzukehren, wo alles begann. Zurück in den Ort, den wir Zuhause nennen, weil wir dort so viel Zeit verbrachten... Wir könnten traurig werden, weil wir uns bald von all den Menschen verabschieden müssen, die wir so ins Herz geschlossen haben. Wir könnten uns darüber wundern, dass wir mit vielen Heimwehtränen ankamen und mit den gleichen Tränen wieder fahren werden, wenngleich sie dann einem anderen 'heim' gelten werden. Wir könnten berichten, wie sehr wir Australien mit all seinen Wundern inzwischen ins Herz geschlossen haben... Oder wir lassen's und erzählen vom Weg unserer letzten Wochen und was für'n scheiß Wetter wir hatten :)

Also. Tasmanien ließen wir hinter uns und freuten uns auf Schneefreiheit, Sonne, kurze Hosen, Schwitzen. Was wir bekamen war Sturm, Regen und Hagel... Sehr schön! Ist ja nicht so, dass wir unsere Wäsche trocknen wollten...
Am zweiten Tag kam aber die Sonne raus und lachte uns an (oder aus?!). Wir genossen Melbourne noch einmal und quartierten uns für ein paar Tage bei einem Freund ein, den wir Ende Juni im Norden Australiens kennengelernt hatten. Fetzt!
Dann ging's weiter nach Geelong, unweit von Melbourne. Wir besuchten den nächsten Freund - ihn hatten wir auf dem Rückflug von Vanuatu kennengelernt und er konnte es gar nicht erwarten, uns seine Heimat zu zeigen. Wie praktisch, denn ohne ihn hätten wir in der Gegend, die sich als zauberhaft herausstellte, wohl nicht mal zum tanken angehalten... Zusätzlich zu all den 'geheimen' hübschen Ecken, konnten sich die Männer noch durch eine private Sammlung von über 60 Whiskeys probieren. Aspirin gab's am nächsten Morgen auch gleich noch gratis :)

Der deutsche Zeitplan sah vor, dass wir die Hacken in'n Teer hauen mussten, denn Mitte November wollten wir zurück in Perth sein und bis dahin waren es noch tausende Kilometer. Die Great Ocean Road war also das nächste Ziel - eine Straße, die im Süden Victorias an spektakulären Küstenabschnitten entlangführt. Wir hätten beeindruckende Aussichten genießen können und die 12 Apostel bewundern - riesige freistehende Felssäulen im Meer... Hätten... Doch just am Tage unserer Abfahrt hatte sich die Sonne hinter dicke Wolken verkrümelt und sollte sich dort für die kommenden zwei Wochen versteckt halten. Stattdessen bekamen wir Sprüh-, Platz- und Dauerregen bei molligen 10 bis 15°C. Ganz flink also an der Great Ocean Road lang und schnell ins Landesinnere abdrehen, um der Schlechtwetterfront zu entkommen - so war der Plan. Höhö... Netter Versuch...
Koalas waren eines der wenigen Highlights, die sich uns auf dem Weg nach Adelaide boten. Die haben sich dafür aber richtig ins Zeug gelegt und ihr niedlichstes Sonntagskostüm ausgepackt, um all den Frauen und Mädchen 'orrr's und 'ach gottl's und 'wie süß' in jeder Sprache zu entlocken. Hat funktioniert. Ihr könnt das Video anschauen und versuchen, ob's auch bei euch funktioniert...





...haben doch alle 'n Vogel hier

Noch ein Highlight war der letzte ALDI. In Süd- und Westaustralien gibt's den nicht, weshalb wir im letzten Laden vor der Grenze nochmal ausgiebig unsere Vorräte aufstockten. Spekulatius haben wir gekauft und Lebkuchen und all das andere leckere Zeug, um uns in Weihnachtsstimmung zu bringen. Bald sind wir kugelrund, aber immerhin in Adventslaune :)

Mount Arapiles - einer der beliebtesten
Kletterfelsen Australiens

und seine Aussicht von oben

Adelaide folgte und schenkte uns Licht. Sonne! Endlich, nach zwei Wochen nasskaltem Ekelwetter. Beinahe hätten wir vergessen, wie die aussah und konnten einmal mehr sehr gut nachvollziehen, wie es euch in Deutschland gegangen sein muss, Anfang des Jahres (oder ist das schon länger her?). Nachdem wir Südaustraliens Hauptstadt wegen mangelnder Parkmöglichkeiten von Beginn an verfluchten, überraschte es uns immerhin am zweiten Tag mit einem wunderschönen Museum. Neben der National Geographic Fotoausstellung gab es auch die gesamt Fauna Australiens zu bestaunen - in Form von ausgestopften Tierchen. Etwas makaber zu Beginn, aber unglaublich interessant im Verlauf. Wer also mal nach Adelaide kommt und was lernen will?!... :)

Graffiti gibt's auch in Adelaide

Lange hält's uns in den Städten aber bekanntlich nie, also ging's weiter gen Westen. Es folgte der obligatorische Stop im Weingebiet (fast jede Großstadt in Australien hat ein eigenes und wir haben uns durch ziemlich alle durchprobiert). Clare Valley also... *nom nom nom*
Mit einigen Dollar weniger und ein paar Promillen mehr, ging's zum Point Lowly. Das ist ein recht spärlich besuchter Strand. Generell ist Südaustralien recht spärlich besucht, denn von den insgesamt etwa 1,5 Mio. Einwohnern des Staates lebt weit über 1 Mio. in den Städten. Ergo sind die ländlichen Regionen leergefegt. Das wiederum bescherte uns nun einen einsamen Strand und die tolle Möglichkeit, ungestört Rochen und Delfine zu beobachten. Während die Rochen sich nur von Ferne bestaunen ließen, konnten wir an die Delfine bis auf ca. 10m ranschwimmen und die 4 Meeressäuger inklusive Babydelfinchen quasi fast streicheln. Wieder entfleuchten mir etliche 'orrr's und 'ahh's und 'ach gottl's :) Die Jungs staunen mit einem ausgelassen 'nu. schön.' :)

Tobi auf Delfinjagd

unser Lager
Langeweile? einfach mal Bart schneiden und
Village People spielen



So schön das alles klingt - lange konnten wir da nicht bleiben... Die Sonne brannte und schenkte uns heiße Tage, was uns riesig freute. Genauso freuten sich aber auch die Fliegen, denn die konnten endlich aus ihren Verstecken krabbeln und sich daran machen, den menschlichen Augensaft zu trinken. Ich untertreibe nicht, wenn ich sage, dass sich an unseren Köpfen zeitweise 20 Fliegen labten und uns damit an den Rande des Wahnsinns trieben. Jegliche Außenaktivitäten hatten nun entweder im Wasser oder im Dunkeln stattzufinden. Aber wir sind ja flexibel und fuhren einfach weiter - auf der Suche nach weniger Fliegen und um rechtzeitig in Perth anzukommen.
Vom 3. bis zum 6.11. sind wir also gefahren, teilweise über 700km am Tag. Es ging durch den Rest Südaustraliens, die berühmte Nullarbor Plain, wo stellenweise tatsächlich kein einziger Baum, geschweige denn Hügel zu finden sind... Es ging manchmal 150km geradeaus und nach 2 Tage Fahrt hatten wir schon Westaustralien und die erste Kreuzung seit tausenden Kilometern erreicht. Viel zu sehen gab es unterwegs nicht, viel zu tun auch nicht.

Wegweiser an Westaustraliens Grenze

Schließlich kamen wir in Albany an. Wer das Gefühl hat, diesen Ort zu kennen, entpuppt sich als aufmerksamer Blog-Leser. Kompliment, so tapfer durchgehalten zu haben :) In Albany waren wir bereits Anfang des Jahres, als Lydi uns besucht hatte. In die Stadt hatten wir uns verliebt und mussten die Chance nutzen, dass wir so gut in der Zeit lagen, dass man sich den 600km Abstecher an die Südküste leisten konnte. Im Ferienhaus unseres österreichischen Freundes aus Cottesloe haben wir uns wieder einquartiert und genießen das milde Klima. Kein Regen, keine Fliegen, keine große Hitze (welche uns ja definitiv wieder morgen in Perth erwartet).


Geschwisterbrücke auf Natursteinbrücke

Ausbeute der Muschelsuche! Außerdem haben wir einen
elfarmigen Seestern gesehen und eine grüne Unterwasserschnecke,
größer als Tobi's Hand mit Tarnzipfeln in Algenform


Nun stimmen wir uns also langsam auf Abschied ein und auf packen und Weihnachten und Heimat.
Aber erstmal morgen in Perth ankommen und Wiedersehen feiern :)