Donnerstag, 12. Dezember 2013

Langsamer Tanz

Wir haben Australien nach 20 Monaten hinter uns gelassen und ich denke, wir können an der Stelle kurz Bilanz ziehen:
Unser Mercedes hat uns in knapp 1,5 Jahren fast 35.000km weit gebracht, was uns um die 4000$ Sprit gekostet hat. Wir haben in 34 verschiedenen Betten geschlafen und mit unendlich vielen Sonnenstunden unsere Hautalterung gründlich voran getrieben.


ein kleiner Überblick über die Vielfalt australischer Straßenschilder


Nachdem wir Anfang November ein paar schöne Tage in Albany hatten, sind wir mit Matze nach Perth gefahren, um dort unsere letzten vier Wochen anzutreten. Wir arbeiteten die verbliebenen Punkte auf unserer imaginären to-do-Liste ab: Kunstgallerie, Museum, Penguin Island (leider ohne Pinguine), Radtour in die Stadt (inkl. Essen im indischen Restaurant, welches uns Claudi&Micha letztes Jahr empfohlen hatten) und ganz viel Kaffee trinken :)


endlich ein Foto: das blaue Haus vom Swan River



Mein Bruder hat uns dann vor 2 Wochen den Rücken gekehrt und ist zurück zur Ostküste gedüst.
Tobi und ich vertrieben uns die Zeit mit etlichen Abendessen bei Freunden, Strand, Strand, Strand und organisatorischem Krimskrams.
Wir gaben unser Auto in vier liebevolle Hände von zwei hochmotivierten deutschen Reisenden.
Natürlich nicht ohne uns vorher radikal von allem angesammelten Ramsch zu trennen. Zum Schluss passte tatsächlich alles wieder in unsere zwei Rucksäcke und brachte überraschenderweise weniger auf die Waage als bei unserer Ankunft letztes Jahr :)

vorher

nachher



Gestern dann haben wir Perth den Rücken gekehrt, mit genauso viel Abschiedstränen und Vorfreude wie bei unserer Abreise im April 2012. Ich erinnere mich mit Erstaunen an die Worte einer ehemaligen Patientin: "Sie werden auf dem Hinflug heulen und auf dem Rückflug."


Um den einen Tag Aufenthalt in Kuala Lumpur so angenehm wie möglich zu machen, hat Tobi uns übrigens ein wunderhübsches Bed&Breakfast gebucht. Da haben wir heute den kompletten Tag am Pool verbracht.
Jetzt kann der deutsche Winter kommen :)



Abschließen möchten wir mit einem wunderschönen Gedicht, welches uns in Gedanken durch ganz Australien begleitet hat:


Langsamer Tanz... 

Hast Du je Kindern 
auf einem Karussell zugeschaut? 
Oder zugehört, 
wenn der Regen auf den Boden klatscht? 

Bist Du jemals dem unberechenbaren Flug 
eines Schmetterlings gefolgt? 
Oder hast durch die verblassende Nacht 
in die Sonne geschaut? 

Mach lieber langsam. 
Tanze nicht so schnell. 
Die Zeit ist kurz. 
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen. 

Rennst Du durch jeden Tag wie im Fluge? 
Wenn Du jemanden fragst: 
Wie geht es Dir? 
Hörst du auf die Antwort? 

Wenn der Tag vorüber ist, 
Liegst Du dann im Bett 
Und die nächsten hundert Pflichten 
Gehen Dir schon durch den Kopf? 

Mach lieber langsam. 
Tanze nicht so schnell. 
Die Zeit ist kurz. 
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen. 

Hast Du je zu Deinem Kind gesagt: 
das machen wir morgen? 
Und in Deiner Hast 
nicht seinen Kummer gesehen? 

Jemals den Kontakt verloren 
und eine echte Freundschaft einschlafen lassen, 
Weil Du nie die Zeit hattest, 
anzurufen und Hallo zu sagen? 

Mach lieber langsam. 
Tanze nicht so schnell. 
Die Zeit ist kurz. 
Die Musik wird nicht ewig weiterspielen. 

Wenn Du so schnell rennst, 
um irgendwohin zu kommen, 
kannst Du den Weg 
dorthin nicht geniessen. 

Wenn Du voller Sorgen 
durch den Tag hetzt, 
dann ist das so, 
als würdest Du ein ungeöffnetes Geschenk wegwerfen. 

Das Leben ist kein Wettrennen. 
Lass es langsamer angehen. 
Höre die Musik, bevor das Lied vorüber ist. 

David L. Weatherford






 

Samstag, 9. November 2013

Home is where your heart is

Wir nähern uns unaufhaltsam dem Ende unseres Australienabenteuers. Man könnte jetzt sentimental werden... Man könnte erzählen, wie sehr wir uns auf Perth freuen. Wieder dorthin zurückzukehren, wo alles begann. Zurück in den Ort, den wir Zuhause nennen, weil wir dort so viel Zeit verbrachten... Wir könnten traurig werden, weil wir uns bald von all den Menschen verabschieden müssen, die wir so ins Herz geschlossen haben. Wir könnten uns darüber wundern, dass wir mit vielen Heimwehtränen ankamen und mit den gleichen Tränen wieder fahren werden, wenngleich sie dann einem anderen 'heim' gelten werden. Wir könnten berichten, wie sehr wir Australien mit all seinen Wundern inzwischen ins Herz geschlossen haben... Oder wir lassen's und erzählen vom Weg unserer letzten Wochen und was für'n scheiß Wetter wir hatten :)

Also. Tasmanien ließen wir hinter uns und freuten uns auf Schneefreiheit, Sonne, kurze Hosen, Schwitzen. Was wir bekamen war Sturm, Regen und Hagel... Sehr schön! Ist ja nicht so, dass wir unsere Wäsche trocknen wollten...
Am zweiten Tag kam aber die Sonne raus und lachte uns an (oder aus?!). Wir genossen Melbourne noch einmal und quartierten uns für ein paar Tage bei einem Freund ein, den wir Ende Juni im Norden Australiens kennengelernt hatten. Fetzt!
Dann ging's weiter nach Geelong, unweit von Melbourne. Wir besuchten den nächsten Freund - ihn hatten wir auf dem Rückflug von Vanuatu kennengelernt und er konnte es gar nicht erwarten, uns seine Heimat zu zeigen. Wie praktisch, denn ohne ihn hätten wir in der Gegend, die sich als zauberhaft herausstellte, wohl nicht mal zum tanken angehalten... Zusätzlich zu all den 'geheimen' hübschen Ecken, konnten sich die Männer noch durch eine private Sammlung von über 60 Whiskeys probieren. Aspirin gab's am nächsten Morgen auch gleich noch gratis :)

Der deutsche Zeitplan sah vor, dass wir die Hacken in'n Teer hauen mussten, denn Mitte November wollten wir zurück in Perth sein und bis dahin waren es noch tausende Kilometer. Die Great Ocean Road war also das nächste Ziel - eine Straße, die im Süden Victorias an spektakulären Küstenabschnitten entlangführt. Wir hätten beeindruckende Aussichten genießen können und die 12 Apostel bewundern - riesige freistehende Felssäulen im Meer... Hätten... Doch just am Tage unserer Abfahrt hatte sich die Sonne hinter dicke Wolken verkrümelt und sollte sich dort für die kommenden zwei Wochen versteckt halten. Stattdessen bekamen wir Sprüh-, Platz- und Dauerregen bei molligen 10 bis 15°C. Ganz flink also an der Great Ocean Road lang und schnell ins Landesinnere abdrehen, um der Schlechtwetterfront zu entkommen - so war der Plan. Höhö... Netter Versuch...
Koalas waren eines der wenigen Highlights, die sich uns auf dem Weg nach Adelaide boten. Die haben sich dafür aber richtig ins Zeug gelegt und ihr niedlichstes Sonntagskostüm ausgepackt, um all den Frauen und Mädchen 'orrr's und 'ach gottl's und 'wie süß' in jeder Sprache zu entlocken. Hat funktioniert. Ihr könnt das Video anschauen und versuchen, ob's auch bei euch funktioniert...





...haben doch alle 'n Vogel hier

Noch ein Highlight war der letzte ALDI. In Süd- und Westaustralien gibt's den nicht, weshalb wir im letzten Laden vor der Grenze nochmal ausgiebig unsere Vorräte aufstockten. Spekulatius haben wir gekauft und Lebkuchen und all das andere leckere Zeug, um uns in Weihnachtsstimmung zu bringen. Bald sind wir kugelrund, aber immerhin in Adventslaune :)

Mount Arapiles - einer der beliebtesten
Kletterfelsen Australiens

und seine Aussicht von oben

Adelaide folgte und schenkte uns Licht. Sonne! Endlich, nach zwei Wochen nasskaltem Ekelwetter. Beinahe hätten wir vergessen, wie die aussah und konnten einmal mehr sehr gut nachvollziehen, wie es euch in Deutschland gegangen sein muss, Anfang des Jahres (oder ist das schon länger her?). Nachdem wir Südaustraliens Hauptstadt wegen mangelnder Parkmöglichkeiten von Beginn an verfluchten, überraschte es uns immerhin am zweiten Tag mit einem wunderschönen Museum. Neben der National Geographic Fotoausstellung gab es auch die gesamt Fauna Australiens zu bestaunen - in Form von ausgestopften Tierchen. Etwas makaber zu Beginn, aber unglaublich interessant im Verlauf. Wer also mal nach Adelaide kommt und was lernen will?!... :)

Graffiti gibt's auch in Adelaide

Lange hält's uns in den Städten aber bekanntlich nie, also ging's weiter gen Westen. Es folgte der obligatorische Stop im Weingebiet (fast jede Großstadt in Australien hat ein eigenes und wir haben uns durch ziemlich alle durchprobiert). Clare Valley also... *nom nom nom*
Mit einigen Dollar weniger und ein paar Promillen mehr, ging's zum Point Lowly. Das ist ein recht spärlich besuchter Strand. Generell ist Südaustralien recht spärlich besucht, denn von den insgesamt etwa 1,5 Mio. Einwohnern des Staates lebt weit über 1 Mio. in den Städten. Ergo sind die ländlichen Regionen leergefegt. Das wiederum bescherte uns nun einen einsamen Strand und die tolle Möglichkeit, ungestört Rochen und Delfine zu beobachten. Während die Rochen sich nur von Ferne bestaunen ließen, konnten wir an die Delfine bis auf ca. 10m ranschwimmen und die 4 Meeressäuger inklusive Babydelfinchen quasi fast streicheln. Wieder entfleuchten mir etliche 'orrr's und 'ahh's und 'ach gottl's :) Die Jungs staunen mit einem ausgelassen 'nu. schön.' :)

Tobi auf Delfinjagd

unser Lager
Langeweile? einfach mal Bart schneiden und
Village People spielen



So schön das alles klingt - lange konnten wir da nicht bleiben... Die Sonne brannte und schenkte uns heiße Tage, was uns riesig freute. Genauso freuten sich aber auch die Fliegen, denn die konnten endlich aus ihren Verstecken krabbeln und sich daran machen, den menschlichen Augensaft zu trinken. Ich untertreibe nicht, wenn ich sage, dass sich an unseren Köpfen zeitweise 20 Fliegen labten und uns damit an den Rande des Wahnsinns trieben. Jegliche Außenaktivitäten hatten nun entweder im Wasser oder im Dunkeln stattzufinden. Aber wir sind ja flexibel und fuhren einfach weiter - auf der Suche nach weniger Fliegen und um rechtzeitig in Perth anzukommen.
Vom 3. bis zum 6.11. sind wir also gefahren, teilweise über 700km am Tag. Es ging durch den Rest Südaustraliens, die berühmte Nullarbor Plain, wo stellenweise tatsächlich kein einziger Baum, geschweige denn Hügel zu finden sind... Es ging manchmal 150km geradeaus und nach 2 Tage Fahrt hatten wir schon Westaustralien und die erste Kreuzung seit tausenden Kilometern erreicht. Viel zu sehen gab es unterwegs nicht, viel zu tun auch nicht.

Wegweiser an Westaustraliens Grenze

Schließlich kamen wir in Albany an. Wer das Gefühl hat, diesen Ort zu kennen, entpuppt sich als aufmerksamer Blog-Leser. Kompliment, so tapfer durchgehalten zu haben :) In Albany waren wir bereits Anfang des Jahres, als Lydi uns besucht hatte. In die Stadt hatten wir uns verliebt und mussten die Chance nutzen, dass wir so gut in der Zeit lagen, dass man sich den 600km Abstecher an die Südküste leisten konnte. Im Ferienhaus unseres österreichischen Freundes aus Cottesloe haben wir uns wieder einquartiert und genießen das milde Klima. Kein Regen, keine Fliegen, keine große Hitze (welche uns ja definitiv wieder morgen in Perth erwartet).


Geschwisterbrücke auf Natursteinbrücke

Ausbeute der Muschelsuche! Außerdem haben wir einen
elfarmigen Seestern gesehen und eine grüne Unterwasserschnecke,
größer als Tobi's Hand mit Tarnzipfeln in Algenform


Nun stimmen wir uns also langsam auf Abschied ein und auf packen und Weihnachten und Heimat.
Aber erstmal morgen in Perth ankommen und Wiedersehen feiern :)

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Tassie-Tasmanien

Melbourne. Da kamen wir am 30.9. an. Die erste Stadt, die exakt das erfüllte, was wir erwartet hatten - Graffiti, Kaffee, Kultur. Nach einem Tag Sightseeing haben wir uns von der multikulturellen Stadt ein gutes Bild gemacht und Bilder gemacht :)



Dann ging's auf die Über-Nacht-Fährfahrt nach Tasmanien. Es folgten 10 Stunden lustiges auf und ab dank Wellengang, begleitet von Kotzgeräuschen der Mitreisenden und übelkeitsbedingter Schlaflosigkeit. Bootfahren fetzt!

Tasmanien ist übrigens dieses kleine Inselgebaumel unterhalb von Australien. Das scheinbar einzige was es dort nicht gibt, sind wohl Koalas. Ansonsten haben sich die Tasmanier alles ran geholt, was Rang und Namen hat. Kängurus, Wallabys, Schlangen, Wombats, Oppossums und tasmanische Teufel natürlich. Sogar Tiger hatten die mal, aber die sind leider schon ausgestorben. Wenn es nicht so viele freiwillige Helfer gäbe, stünde das den kleinen Teufelchen auch demnächst bevor. Gesehen haben wir deswegen leider keines - in der Wildnis sind die einfach zu selten. Dafür haben wir allerlei Beutler entdeckt. Zum Beispiel Wallabys und die Wombats.

so klein sind die hier

Die erste Woche auf dem Eiland verbrachten wir mit Blasenentzündung, Verdacht auf Blinddarmentzündung, Arztbesuchen und Antibiotika. Zwischendurch hatten wir aber noch genügend Zeit, um die verschlafenen Städtchen der Gegend zu besuchen. Käseverkostungen, Weinproben und Schokolade naschen bildeten Grundlage für darauffolgende Besuche der Tand- und Trödel-Märkte und Kunstgalerien. Letztere sind hier übrigens wunderhübsch!

Sockenkunst - was Strümpfe so hergeben

Außerdem bestaunten wir die Landschaft, für die Tasmanien ja so berühmt ist. Von sonnigen Küstenstreifen bis zum kalten Regenwald in den Bergen gibt's so ziemlich alles. Das wurde v.a. von den Jungs fleißig zu Fuß erkundet.


Seestern frisst Muschel

yeah :)


Wanderausblicke


In Hobart ging's in die nächste Kunstgalerie - die MONA. Ein mit Wetten reich gewordener Australier hat sich da einen schicken Kunstbunker gebaut. Drei Etagen tief in Stein geschlagen und mit teils umstrittenen Werken ausgestattet hat das Museum of Old and New Art einen weltweit bekannten Ruf. Von an Pornografie grenzenden Videos bis zur tausende Jahre alten Mumie hat sich der Herr Walsh alles ins Haus geholt. Die Art und Weise der Präsentation ist ziemlich einzigartig. Beispielsweise ist keines der Kunstwerke beschriftet. Stattdessen gibt's für jeden Besucher ein iPhone, dass dich lotzt. Entdecken kann man dann so Sachen wie einen Raum, in dem zig Glühbirnen in deinem Herzschlag pulsierend leuchten. Auch gibt es einen künstlichen Verdauungstrakt der 1a funktioniert - inkl. Geruch und Endprodukt. Und wenn wir von Endprodukt sprechen - die Toiletten bieten wahlweise Videos, Lichtshow oder eine Konstruktion, mit der du dir deinen eigenen Popo von unten bestaunen kannst :)


Matze fand die Matrix

Weiter im Uhrzeigersinn auf der Insel ging's in die Berge. Da gab es sicher überwältigende Aussichten. Die waren allerdings ein wenig verhangen. Wahlweise mit Nebel, Regen oder auch Schnee, Graupel und Hagel. Als durchschnittliche Camper waren wir für solche Wetterverhältnisse nicht ausgerüstet, was uns im Eilverfahren wieder an die Küste brachte.


Schneeballschlacht


alles weiß hier - schnell weg :)


Dort hatten wir nach 2 Wochen Inselurlaub einen krönenden Abschluss im unaussprechlichen Narawntapu Nationalpark. Wir trafen die Wombats. Kugelig-kuschelige nachtaktive Beuteltiere, die man am besten im Video bestaunt, bevor ich euch mit Erklärungsversuchen langweile :)






Das war's schon wieder :) Jetzt machen wir uns auf den Weg nach Adelaide!

die drei von der Tanke

Donnerstag, 26. September 2013

Tierisch was los

Nach unseren paradiesischen Tagen kamen wir im kühlen Sydney an. Die letzten zwei Wochen schien dort wohl die Sonne, aber als wir landeten begrüßten uns nasskalte 13°C.
Wir brachten unsere Autobatterie wieder in Gang, machten eine Großeinkauf im vertrauten AL*I (ich weiß gar nicht, ob ich hier Werbung machen darf :) ) und dann fuhren wir im Viererpack in die Blue Mountains.

Die Blue Mountains sind westlich von Sydney und eine Art riesige Sächsische Schweiz. Blau sind die, weil die vielen Eukalyptusbäume so schimmern. Da ging's also hin und auch hier zeigte sich das Wetter weiterhin von seiner nasskalten Seite. Einen Tag gab's aber Sonne - praktischerweise der, den wir uns zum Wandern rausgesucht hatten. Also Stiefel geschnürt und ab in die Berge.

sächsische Schweiz in Groß

Lange hielt es uns dort allerdings nicht - a) zu viele Touristen und b) wollten wir mehr Sonne!

Also hüpften wir bereits am nächsten Tag wieder ins Auto, um den Weg in Richtung Hauptstadt anzutreten. "Hö??" werden jetzt einige denken... "Zurück nach Sydney??"... Jetzt kommt die Überraschung: Sydney ist nicht die Hauptstadt. Und auch Melbourne ist es nicht, wenn das jetzt eure zweite Vermutung war. Es ist Canberra. Tataaa :)
Dort werden alle wichtigen Entscheidung für das Land getroffen. Das ist aber auch so ziemlich die einzige Funktion der Stadt. Deswegen wohnen hier nicht so viele Leute. Und deswegen sind die Straßen so leer. Aber uns soll das nicht stören, wo wir in den letzten Monaten doch ohnehin etwas menschenscheu geworden waren. In sterilem, aber doch schönem Umfeld schauten wir uns Kunstgallerien, das Parlament und sogar ein Planetarium an.


ist das Kunst oder kann das weg?


Berge, Bruder, Planetarium

Tobi auf'm Mond


das Parlament


Tobi möchte, dass ich an dieser Stelle noch einmal betone WIE wunderschön die Stadt doch war :) Weiterfahren mussten wir aber trotzdem, denn der Weg nach Melbourne erledigt sich nicht von allein.

Mit einigen kleineren Zwischenstops erreichten wir schließlich den Ben Boyd Nationalpark unweit der Grenze zu Victoria. Im Infozentrum versprach man uns Wale und die bekamen wir!
Wunderbar im Grünen gelegen schlugen wir unsere Zelte auf (also die Autos)...

Basiscamp

Und dann wanderten entlang der Küste 6km bis zum Green Cape Leuchtturm. Wir mussten nicht mal lange warten, bis wir die ersten Atemsprutzfontänen (wie nennt man die?! :) ) der Buckelwale entdeckten. Die Faszination war groß und beinahe hätten wir uns damit zufrieden gegeben. Wäre da nicht dieser überaktive Wal gewesen, der plötzlich anfing, wie blöde aus'm Wasser zu springen. So wie man's aus all den Fernsehreportagen kennt. Erst nix und dann *bam* und *Sprung* und *platsch* und so weiter und so weiter. Gleich gibt's Fotos :)
Am nächsten Morgen jedenfalls sind wir nochmal zum Leuchtturm gefahren - wir hatten noch nicht genug! :) Und wieder haben wir ganz viele Wale entdeckt - springend, sprutzend, schwimmend und sogar einen der uns mit seiner Flosse gewunken hat. Ä Traum! Das reihte sich gleich in die Liste der unvergesslichen Erlebnisse ein.


einmal links herum...


...einmal rechts herum...


...und zum Schluss nochmal schick für's Foto


Nachmittags war übrigens Strand angesagt und damit haben wir auf dem kleinen Stück von Sydney bis hierher von Frost bis Badewetter alles durch, was Petrus so auf Lager hat.

Tiertechnisch ging's abgesehen von den Walen auch rund: Echidnas haben wir wieder entdeckt (das ist der Schnabeligel und das 2. der eierlegenden Säugetiere neben dem Schnabeltier) und Agamen und einen großen Waran. Außerdem hat Britta eine Schlange entdeckt und Tobi einen Skorpion! Ab dem Zeitpunkt hatten wir begonnen, unsere Schuhe nicht mehr unbeaufsichtigt im Freien zu lassen.
Dann gab's noch freche Oppossums, die unsere Steakverpackung klauen wollten und Matzes Autodach vollgekackt haben. Und Zecken, die sich an Tobi, Matze und mir sattessen wollten. Kängurus sind natürlich die stetigen Begleiter und sogar Wombats haben wir jetzt entdeckt. Die lagen aber alle am Straßenrand und haben auf dem Rücken mit den Beinen in der Luft geschlafen.


tierisch was los hier


Inzwischen haben wir Victoria erreicht und steuern knallhart auf Melbourne zu. Mal schauen, was wir auf unserem Weg noch alles entdecken.


für die Mutti... (und Lydi :) )


 Bis in Bälde :)

Mittwoch, 18. September 2013

Vanuatu - Tanna

Es ging also nach Tanna.
Hier ist das Leben weniger westlich angehaucht und die einzigen Nicht-ni-Van, die es hier gibt, sind die Touristen.
Gleich am Flughafen fiel uns auf, dass wir definitiv in einer, sagen wir, ursrpünglichen Gegend gelandet sind.

kein Jugendherberge, sondern ein Flughafen

und das ist das manuelle Gepäckband


Dann ging's 3 Stunden quer über die Feldwege der Insel (asphaltierte Straßen gibt es nirgendwo) bis zu unserem Bungalow. Der war schon fast luxuriös, denn abends gab es richtigen Strom aus dem Generator.

Schlafzimmer, Restaurant, sanitäre Anlagen und Klo


Schon auf dem Weg zu unserer Unterkunft fuhren wir über die kilometerweiten Aschefelder des Vulkans.

Asche ohne Ende haben die hier


Und abends am Bungalow konnten wir ihn grummeln und grollen hören. Und wenn die Lave hoch genug flog, sahen wir sogar das rote Leuchten. Ein mulmiges Gefühl paarte sich mit Faszination, v.a. wenn die Vorhänge unseres Bungalows von der Druckwelle der Explosionen weggepustet wurden. Erwähnt sei hier, dass der Vulkan mal locker 5km weit weg war.



Am nächsten Tag ging's also los. Pünktlich mit Sonnenaufgang und Vulkangrummeln um 6 aus'm Bett, zur großen Schnorchelrunde fahren und nachmittags auf zur langersehnten Vulkantour.
Eigentlich wollten wir mit unserem Guide hoch laufen, aber nachdem uns jemand unterwegs aufgesammelt hatte und uns bewusst wurde, wie weit der Weg gewesen wäre, waren wir ganz froh, dass wir nicht laufen mussten :)
Oben angekommen fehlten uns die Worte. Und das ziemlich die ganze Zeit, die wir auf dem Berg verbrachten. Das waren so in etwa zwei Stunden. Im Hellen hauten uns im wörtlichen Sinne nur die Explosionswellen vom Hocker. Na gut... Nicht nur die. Auch der Riesenkrater und der Fakt, dass die flüssige Lava aus vier und nicht nur einem Loch spruzt.
Im Dunkeln dagegen gab es ein solch spektakuläres Schauspiel, dass Fotos das ganze Ausmaß nur unzureichend darstellen können. Stellt euch all die schönen Feuerwerke vor, die ihr in eurem Leben schon gesehen habt. Die multipliziert ihr jetzt mit 87,3 und nehmt das Ergebnis noch einmal ins Quadrat. Dieses Ergebnis wiederum addiert ihr zu 295 und damit erhaltet ihr dann exakt ein Drittel der eigentlichen Schönheit dieses Naturschauspiels.
Ihr merkt schon, dass die Beschreibung eher schwierig ist, deswegen gibt's jetzt Fotos und ein Video. Bei jedem Knall sind alle Mädels übrigens immer kräftig zusammengezuckt - teilweise begleitet von quieken. Die Jungs hingegen haben gejubelt und den Berg angefeuert.






Mit diesem einzigartigen Erlebnis, einer 2 Stunden Wanderung im Tropenregen, einem sensationellen Abschlussschnorcheln und endlos vielen Eindrücken ging unser Vanuatu-Abenteuer nach 2 Wochen zu Ende.

Mit gemischten Gefühlen lassen wir dieses kleine Paradies also hinter uns. Zum einen behalten wir natürlich die beeindruckene Über- und Unterwasserwelt im Gedächtnis, die scheinbar grenzenlose Herzlichkeit der Menschen und das entspannte Leben.
Andererseits denken wir daran, dass vor allem auf Tanna versucht wird, möglichst viel Profit mit den Touristen zu machen, was die Freundlichkeit leider etwas in den Hintergrund rückte. Und - wie schon zu Beginn erwähnt - ist Vanuatu ein Entwicklungsland was noch einen weiten Weg vor sich hat.

Wir hoffen nur, dass Tourismus und westliche Einflüsse die so beeindruckende Kultur des Landes nicht zerstören.

Dienstag, 10. September 2013

Vanuatu - ein kleines Paradies im Pazifik

Kükenparadies

Wir starten mit den wichtigsten Fakten, damit ihr wisst wo wir hier eigentlich gelandet sind. Viel weiter weg von Deutschland können wir fast nicht mehr sein. Wir vermuten, dass die meisten inzwischen herausgefunden haben, wo Australien liegt. Wenn ihr den Globus nun noch etwas weiter nach links dreht, entdeckt ihr kurz vor der Datumsgrenze, nordöstlich von Australien, das kleine Pazifikparadies Vanuatu.
83 Inseln werden bewohnt von etwa 250.000 Menschen, von denen der Großteil die traditionellen Einwohner, die sogenannten ni-Vanuatu sind. Es gibt 200 Soldaten und 500 Polizisten. Aufgrund der Abgeschiedenheit durch den dichten Dschungel haben sich in all den kleinen Dörfern um die 120 verschiedenen Sprachen entwickelt. Offizielle Landessprachen sind aber Englisch, Französisch und das sogenannte Bislama, mit dem sich ni-Vans aus allen Landesteilen verständigen können. Bislama ist dem Englischen recht ähnlich und gar nicht so schwierig zu lernen. Die meisten Worte werden, ähnlich wie im Deutschen, exakt so gesprochen wie man sie schreibt.
Ein paar Beispiele: "Gudmoning" wäre dann "Good morning", "Skiusmi" übersetzt man mit "Excuse me" und "Tankyu tumas" dürft ihr selbst erraten :) Überrascht hat uns das Bislama-Wort für "Lügner" - "Kerman". Die Ähnlichkeit zu "German" ist kein Zufall und stammt aus der Zeit des 2. Weltkrieges...
Eine weitere sprachliche Besonderheit liegt eher im Mangel an Worten. Die ni-Vans haben es nämlich voll drauf nonverbal zu kommunizieren - mit Augenbrauenzucken, Lippenbewegungen usw. Und da erzählen die sich ganze Geschichten! Im Flugzeug hatten wir das schon erlebt, als die beiden Flugbegleiter jeweils an einem Ende des Flugzeugs standen und für uns unverständliche lautlose Mundbewegungen machten. Und plötzlich bringt die eine die bestellte neue Flasche Sekt. Beeindruckend :)
Auch witzig für uns sind die Busfahrer, die dir mit einem kurzen Augenzucken und Kopfdrehen sagen, dass das deine Haltestelle ist, an der du raus wolltest :)

Das Land ist vermutlich vor allem bekannt für sein Da-Sein als Schnorchelparadies und die beeindruckend vielfältige Kultur auf den unterschiedlichen Inseln. Vom land-diving hat man vielleicht schon gehört. Im Grunde handelt es sich dabei um Bungee-Springen, aber auf Vanuatu benutzt man dafür kein Gummiseil sondern - ganz traditionell - lianenartige Stricke. Damit feiert man die Yam-Ernte. Was Yam ist erklären wir gleich noch. Weitere Traditionen sind Tänze, rituelle Tiertötungen und - der Klassiker - Glaube an Schwarze Magie. Kannibalismus wurde 1848 offiziell abgeschafft. Inoffiziell?! Da gibt es verschiedene Meinungen :) Das Tragen "westlicher" Kleidung ist v.a. auf den nördlichen Inseln nicht an der Tagesordnung. Freischwingend lautet das Motto :)
In jedem der kleinen Dörfer, in denen oft weniger als 50 Leute wohnen (also kleiner als Bodenbach), gibt es einen Bürgermeister - der "chief". An den kann man sich mit seinen Sorgen und Wünschen wenden und Entscheidungen werden dann gemeinsam in der Diskussionsrunde am Montag Morgen getroffen.
Neben all dem Spaß und der spannenden Kultur sollte man nicht vergessen, dass die Inselgruppe Teil des pazifischen Feuerrings ist. Vulkane (mindestens 10 aktive) und Erdbeben gehören zum Alltag. Auch wir erlebten direkt in der Nacht unserer Ankunft ein Erdbeben mit. Im Bett liegend sag ich noch zu Tobi "Lieg still" woraufhin er entgegnet "Ich lieg still". Es war aber nur ein kleines Beben, von denen es hier oft mehrere täglich gibt. Da man selbst in Bewegung ist, bemerkt man sie meist gar nicht.

Und so sehr Vanuatu nun als Paradies beworben wird, sollte man nicht vergessen, dass es ein Entwicklungsland ist. Schlechte hygienische und gesundheitliche Bedingungen herrschen hier ebenso wie schlechter Zugang zu Elektrizität und fließendem Wasser. Bildungsangebote sind nicht überall oder nur mangelhaft vorhanden, was u.a. zu einer sehr hohen Analphabetenrate führt. Deutschland und einige andere Länder der Welt leisten hier somit täglich Großes in der Entwicklungshilfe und Freiwilligenhelfer trifft man an nahezu jeder Ecke.

Kommen wir zu unserer ersten Woche hier im Lande:
Die Ankunft im beschaulichen Flughafen war untermalt mit Begrüßungsmusik und wir mussten trotz angewöhnter australischer Gelassenheit noch eine ganze Ecke weiter abbremsen, um uns dem gängigen Inseltempo anzupassen. Dann ging's mit dem klapprigen Kleinbus in die Hauptstadt Port Vila. Die Busse sind hier etwas anders als in Deutschland. Es handelt sich um Kleintransporter, von denen die meisten beim deutschen TÜV wohl nicht mal rein kämen. Feste Haltestellen gibt es kaum, weshalb man dem Fahrer einfach beschreibt, wo man hin möchte. Da es sich aber um einen Bus und kein Taxi handelt, sollte man Umwege und eine - sagen wir - unbestimmte Fahrdauer in Kauf nehmen, denn die 5 anderen im Bus haben ja nicht zwangsläufig das gleiche Ziel wie du. Man darf sich auch nicht wundern, wenn der Fahrer auf dem Weg nochmal kurz anhält, um seinen Einkauf zu machen. Du wartest einfach so lange im Bus :) Für uns war der Umweg gar nicht schlecht, weil wir gleich ein bisschen von der Gegend gesehen haben. Wenn du aber als Nicht-Tourist früh pünktlich zur Arbeit kommen willst, entscheidest du dich besser für ein Quad. Das ist angesichts der kaputten Straßen auch viel praktischer.
Wir kamen also nach jener "unbestimmten Fahrzeit" im Stadtzentrum an. Für eine Landeshauptstadt geht es hier v.a. nach Einbruch der Dunkelheit sehr beschaulich zu. Der Vergleich mit Nossen drängte sich unweigerlich in unseren Kopf :) Erwähnt sei, dass der Einbruch der Dunkelheit dank Äquatornähe schon gegen 6 ist. Dann werden die Bordsteine hochgeklappt. Generell orientiert sich das Inselleben stark am Tageslicht - 6 bis 6 lautet das Motto. Früh raus, früh ins Bett - auf den weniger erschlossenen Inseln reine Frage nicht vorhandener Elektrizität. Auf Efate (die Insel auf der Port Vila liegt) haben viele Geschäfte schon ab 7 geöffnet. Ab Samstag Mittag ist dann fast alles geschlossen und Sonntag geht gar nüscht. Kirchentag :) Deswegen wird ab Freitag Mittag in den Geschäften auch kein Alkohol mehr verkauft. Damit Sonntag Morgen alle fit sind. Die christliche Kirche ist hier wirklich ein ganz großes Ding und spielt eine sehr zentrale Rolle. Alle kommen zusammen, singen und haben eine schöne Zeit. Klingt nach Spaß.
Große Ausnahme der Öffnungszeiten bildet der Markt an der Wasserfront im Stadtzentrum. Dort gibt es allerlei lokale Leckereien: Mangos, Papayas, wilde Himbeeren, Bananen, Kokosnüsse, Grapefruits,... alles frisch und lecker. Süßkartoffeln gibt's und Maniok und Gemüse ohne Ende. Und Yam. Das ist ein kartoffelähnliches Gewächs, welches zerrieben, mit Wasser vermischt und dann gedämpft wird. Lange. Leider auch ohne Gewürze, denn das traditionelle Inselessen kennt kaum Gewürze, v.a. kein Salz. Also... Yam wird gedämpft, gedämpft, gedämpft und ergibt am Ende ein Stück Teig mit der Konsistens einer zähen Kartoffel. Ohne Geschmack. Das fanden wir also nicht ganz so lecker. Aber wenn man Yam dann mit etwas Kokosmilch vermengt und zwischen Bananenblättern auf dem Feuer bäckt, dann wird's ganz gut. Das Ganze heißt dann Lap Lap Yam. *yam yam yam* :)
Ok... zurück zum Markt. Irgendwer muss all das leckere Zeug ja verkaufen. Das sind die Frauen, die von abgelegeneren Inseln kommen, um dann in der Hauptstadt ihre Waren anzubieten. Leider sind sie oft so arm, dass sie sich eine regelmäßige Heimfahrt für ca. 5€ nicht leisten können. Somit leben sie die ganze Woche zusammen mit ihren Kindern auf dem Markt, schlafen unter den Tischen und fahren nur Sonntag nach Hause, um am Familientag zur Kirche zu gehen. Und deswegen ist dieser Markt der einzige der 24 Stunden geöffnet ist.
Wir haben uns diesen Markt gleich am Ankunftstag genauer angeschaut, denn er lag direkt gegenüber von unserem Hostel. Abends folgte das Erdbeben - das wisst ihr ja schon - und am nächsten Tag sind wir zum Hideaway Island gefahren.
Dort durften wir das erste Mal pazifischparadiesische Unterwasserluft schnuppern. Schnorcheln war angesagt. Malaysia hatte uns ja damals schon vom Hocker gehauen, aber Vanuatu hat alles übertroffen. Wir könnten euch jeden einzelnen Fisch und jede Koralle und Muschel beschreiben, aber das würde euer Gehirn sprengen. Wir belassen es stattdessen bei "umwerfend", "unbeschreiblich" und "guckt's euch selber an" und picken uns einzelne Besonderheiten raus, die wir euch genauer beschreiben wollen.
Zum Beispiel die Seesterne. Die meisten kennen Patrick (wer ihn nicht kennt gehört einer weiseren Generation an und fragt in diesem Falle seine Kinder). Patrick ist rot und 5-armig. Das war auch meine Vorstellung von Seestern. Bis jetzt. Nun sind wir aber neben dem Hideaway Island auch zur Insel Erakor Schnorcheln gefahren und dort geht's seesterntechnisch richtig ab. 4 Arme, 5 Arme oder auch 6. Alles dabei. Und Farben haben die als gäb's keen Morgen. Rot, orange, weiß, gelb und sogar blau. Das hat uns aus unseren korallensicheren Badeschuhen gehauen.



Suchbild - wer findet alle Seesterne

Ab dem zweiten Tag haben wir wieder bei Couchsurfern gewohnt - zwei australische Mädels, die wie so viele andere an einem Freiwilligenhelfer-Programm teilnehmen. Sie haben uns in die Tradition des Kava-Trinkens eingeführt. Kava ist eine Wurzel, die zermalmt, gekocht und gesiebt wird. Die gewonnene Brühe wird mit Wasser vermischt und getrunken. Die Wirkung wird als entspannend bis berauschend beschrieben. Warum die das hier trinken ist uns nicht ganz klar. Die Farbbeschreibung von Kava ist mit "matsch" ganz gut getroffen und genauso schmeckt es auch - wie Schlammwasser. Man trinkt Kava aus kleinen Schalen und "auf Ex", dann wird der ganze Mund taub und man braucht je nach Stärke des Gemischs an die 3 bis 4 Schalen, um die angepriesene Wirkung zu erleben. Angesichts des Geschmacks hatten wir wenig Lust, so viele Schalen zu kippen, aber weil das Zusammensitzen so gemütlich war, sind wir 3 Abende in Folge mit unseren Gastgeber-Mädels mitgegangen. Die kleinen Kava-Bars werden übrigens als Nakamal bezeichnet und in Port Vila allein gibt es um die 200. Traditionell dürfen da auch nur Männer hin, aber hier auf der recht touristischen Insel Efate drückt man ein Auge zu. Interessant ist vielleicht noch, dass die Geräuschkulisse in einer Nakamal nicht besonders einladend ist, denn wegen des ekelhaften Geschmacks rotzen alle was das Zeug hält :)


Nachdem wir Hideaway und Erakor nur für einen Tag besucht hatten, wollten wir das richtige Inselleben etwas ausgiebiger kennenlernen. Es ging nach Pele. Der Weg dahin war gleich wieder ein Spaß für sich. Einen Bus finden ist leicht - man winkt ihn mit den Augenbrauen ran. Dann erklärt man wo man hin will und los geht's. Dann wurden wir aber plötzlich an irgendeiner Tankstelle abgeworfen, mit der Erklärung, dass der richtige Bus später kommt. Da standen wir. Orientierungslos. Verlassen. Nackt. Nee, Quatsch. wir haben also eine ältere Dame gefragt, ob sie weiß, welchen Bus wir nehmen müssen, um zur Bootsrampe im Norden der Insel zu kommen, von wo aus wir ja dann ein Boot nach Pele nehmen wollten. Sie hatte allerdings keine Ahnung, weshalb wir uns wieder für planlos rumstehen und abwarten entschieden. Der Busfahrer hatte aber anscheinend schon jemand anderen informiert, der da so an der Tanke rumstand - hier kennt ja irgendwie jeder jeden. Und dieser wildfremde Mann rief uns dann plötzlich ran, als ein Bus kam und meinte, das wäre unserer. Deutsch wie wir sind waren wir skeptisch - man könnte ja entführt oder ausgeraubt werden, oder beides. Aber am Ende ging alles gut und nach 45min Busfahrt waren wir an der Bootsrampe. Während der Fahrt haben wir uns noch mit dem chief eines Dorfes auf Pele angefreundet und er kannte natürlich Mark, in dessen Bungalow wir uns eingemietet hatten. Also hat uns Chief Tom ein Boot organisiert, dass uns zu Mark bringen sollte und wir dachten noch so "Hä? Wie sollen wir den denn auf der Insel finden?", aber jegliche Sorge war unnötig. Auf der Insel angekommen, entdeckten wir, dass sie super übersichtlich war. Nur 4 kleine Dörfer, keine Straßen, nichtmal Wege, nur Trampelpfade. Und natürlich kennt jeder Mark, der einen von 4 Touristenbungalows auf der Insel hat.


mit dem Boot nach Pele

Wahrscheinlich hätten wir in Port Vila schon sagen können, dass wir zu Mark nach Pele wollen und jeder hätte Bescheid gewusst.
Wir sind also bei ihm eingezogen und in die Bungalow-Besonderheiten eingewiesen wurden. Klo ist vorhanden, aber keine Spülung - dafür gibt's ja Eimer. Genauso verhält es sich mit der Dusche... Wie gesagt - fließendes Wasser ist rar, also wird mit Eimer geduscht. Strom gibt's auch nicht, aber immerhin eine kleine Solarlaterne zum Pipi gehen in der Nacht.
Begrüßt wurden wir überaus herzlich und mit einer frischen Kokosnuss.


unser Bungalow mit Pflanzenzaun


Mark's Enkelin schnappte sich gleich am ersten Abend den Reifen

Mark mit seiner Frau Miriam

Hatten wir erwähnt, dass der Bungalow direkt am Strand stand?! :)



Mark und seine Frau Miriam haben uns 3 Tage nach Strich und Faden verwöhnt. Im Gegensatz zum üblichen traditionellen Inselessen kann Miriam richtig leckere Sachen kochen. So mit Salz und so. Dreimal am Tag wurden wir gemästet. Zwischen den Mahlzeiten nahm uns Mark mit auf Inseltour - Besuche der anderen Dörfern, Kennenlernen seiner Schwiegermama, Wiedersehen mit Chief Tom und und und. Mit Stolz hat er uns ganz viele lokale Besonderheiten erklärt. Immer mit dabei - seine Machete :)

so sehen die meisten Hütten im Dorf aus

Marks Schwiegermutti beim Flechten der traditionellen Matten

Dorfschule

Hühner laufen überall frei rum; Müll und
Gartenreste werden regelmäßig verbrannt

Inselpapierkorb

die Quelle der Insel


Schnorcheln stand natürlich auch wieder auf dem Plan - wenn das Riff schon so rumliegt vor der Haustür :)




Immernoch staunend und fasziniert ging es Samstag zurück nach Efate. Pünktlich morgens um 6 versteht sich, sonst ist Ebbe :)

In den letzten Tagen haben wir uns überwiegend damit beschäftigt, Tobi's aufgesammelte Mittelohrentzündung gesund zu pflegen, damit wir wir heute nach Tanna fliegen können, um den lavaspuckenden Vulkan Mt.Yasur zu besteigen.

Seid alle ganz lieb gegrüßt in der schon fast herbstlichen Heimat... Wie die Zeit vergeht...