Donnerstag, 26. September 2013

Tierisch was los

Nach unseren paradiesischen Tagen kamen wir im kühlen Sydney an. Die letzten zwei Wochen schien dort wohl die Sonne, aber als wir landeten begrüßten uns nasskalte 13°C.
Wir brachten unsere Autobatterie wieder in Gang, machten eine Großeinkauf im vertrauten AL*I (ich weiß gar nicht, ob ich hier Werbung machen darf :) ) und dann fuhren wir im Viererpack in die Blue Mountains.

Die Blue Mountains sind westlich von Sydney und eine Art riesige Sächsische Schweiz. Blau sind die, weil die vielen Eukalyptusbäume so schimmern. Da ging's also hin und auch hier zeigte sich das Wetter weiterhin von seiner nasskalten Seite. Einen Tag gab's aber Sonne - praktischerweise der, den wir uns zum Wandern rausgesucht hatten. Also Stiefel geschnürt und ab in die Berge.

sächsische Schweiz in Groß

Lange hielt es uns dort allerdings nicht - a) zu viele Touristen und b) wollten wir mehr Sonne!

Also hüpften wir bereits am nächsten Tag wieder ins Auto, um den Weg in Richtung Hauptstadt anzutreten. "Hö??" werden jetzt einige denken... "Zurück nach Sydney??"... Jetzt kommt die Überraschung: Sydney ist nicht die Hauptstadt. Und auch Melbourne ist es nicht, wenn das jetzt eure zweite Vermutung war. Es ist Canberra. Tataaa :)
Dort werden alle wichtigen Entscheidung für das Land getroffen. Das ist aber auch so ziemlich die einzige Funktion der Stadt. Deswegen wohnen hier nicht so viele Leute. Und deswegen sind die Straßen so leer. Aber uns soll das nicht stören, wo wir in den letzten Monaten doch ohnehin etwas menschenscheu geworden waren. In sterilem, aber doch schönem Umfeld schauten wir uns Kunstgallerien, das Parlament und sogar ein Planetarium an.


ist das Kunst oder kann das weg?


Berge, Bruder, Planetarium

Tobi auf'm Mond


das Parlament


Tobi möchte, dass ich an dieser Stelle noch einmal betone WIE wunderschön die Stadt doch war :) Weiterfahren mussten wir aber trotzdem, denn der Weg nach Melbourne erledigt sich nicht von allein.

Mit einigen kleineren Zwischenstops erreichten wir schließlich den Ben Boyd Nationalpark unweit der Grenze zu Victoria. Im Infozentrum versprach man uns Wale und die bekamen wir!
Wunderbar im Grünen gelegen schlugen wir unsere Zelte auf (also die Autos)...

Basiscamp

Und dann wanderten entlang der Küste 6km bis zum Green Cape Leuchtturm. Wir mussten nicht mal lange warten, bis wir die ersten Atemsprutzfontänen (wie nennt man die?! :) ) der Buckelwale entdeckten. Die Faszination war groß und beinahe hätten wir uns damit zufrieden gegeben. Wäre da nicht dieser überaktive Wal gewesen, der plötzlich anfing, wie blöde aus'm Wasser zu springen. So wie man's aus all den Fernsehreportagen kennt. Erst nix und dann *bam* und *Sprung* und *platsch* und so weiter und so weiter. Gleich gibt's Fotos :)
Am nächsten Morgen jedenfalls sind wir nochmal zum Leuchtturm gefahren - wir hatten noch nicht genug! :) Und wieder haben wir ganz viele Wale entdeckt - springend, sprutzend, schwimmend und sogar einen der uns mit seiner Flosse gewunken hat. Ä Traum! Das reihte sich gleich in die Liste der unvergesslichen Erlebnisse ein.


einmal links herum...


...einmal rechts herum...


...und zum Schluss nochmal schick für's Foto


Nachmittags war übrigens Strand angesagt und damit haben wir auf dem kleinen Stück von Sydney bis hierher von Frost bis Badewetter alles durch, was Petrus so auf Lager hat.

Tiertechnisch ging's abgesehen von den Walen auch rund: Echidnas haben wir wieder entdeckt (das ist der Schnabeligel und das 2. der eierlegenden Säugetiere neben dem Schnabeltier) und Agamen und einen großen Waran. Außerdem hat Britta eine Schlange entdeckt und Tobi einen Skorpion! Ab dem Zeitpunkt hatten wir begonnen, unsere Schuhe nicht mehr unbeaufsichtigt im Freien zu lassen.
Dann gab's noch freche Oppossums, die unsere Steakverpackung klauen wollten und Matzes Autodach vollgekackt haben. Und Zecken, die sich an Tobi, Matze und mir sattessen wollten. Kängurus sind natürlich die stetigen Begleiter und sogar Wombats haben wir jetzt entdeckt. Die lagen aber alle am Straßenrand und haben auf dem Rücken mit den Beinen in der Luft geschlafen.


tierisch was los hier


Inzwischen haben wir Victoria erreicht und steuern knallhart auf Melbourne zu. Mal schauen, was wir auf unserem Weg noch alles entdecken.


für die Mutti... (und Lydi :) )


 Bis in Bälde :)

Mittwoch, 18. September 2013

Vanuatu - Tanna

Es ging also nach Tanna.
Hier ist das Leben weniger westlich angehaucht und die einzigen Nicht-ni-Van, die es hier gibt, sind die Touristen.
Gleich am Flughafen fiel uns auf, dass wir definitiv in einer, sagen wir, ursrpünglichen Gegend gelandet sind.

kein Jugendherberge, sondern ein Flughafen

und das ist das manuelle Gepäckband


Dann ging's 3 Stunden quer über die Feldwege der Insel (asphaltierte Straßen gibt es nirgendwo) bis zu unserem Bungalow. Der war schon fast luxuriös, denn abends gab es richtigen Strom aus dem Generator.

Schlafzimmer, Restaurant, sanitäre Anlagen und Klo


Schon auf dem Weg zu unserer Unterkunft fuhren wir über die kilometerweiten Aschefelder des Vulkans.

Asche ohne Ende haben die hier


Und abends am Bungalow konnten wir ihn grummeln und grollen hören. Und wenn die Lave hoch genug flog, sahen wir sogar das rote Leuchten. Ein mulmiges Gefühl paarte sich mit Faszination, v.a. wenn die Vorhänge unseres Bungalows von der Druckwelle der Explosionen weggepustet wurden. Erwähnt sei hier, dass der Vulkan mal locker 5km weit weg war.



Am nächsten Tag ging's also los. Pünktlich mit Sonnenaufgang und Vulkangrummeln um 6 aus'm Bett, zur großen Schnorchelrunde fahren und nachmittags auf zur langersehnten Vulkantour.
Eigentlich wollten wir mit unserem Guide hoch laufen, aber nachdem uns jemand unterwegs aufgesammelt hatte und uns bewusst wurde, wie weit der Weg gewesen wäre, waren wir ganz froh, dass wir nicht laufen mussten :)
Oben angekommen fehlten uns die Worte. Und das ziemlich die ganze Zeit, die wir auf dem Berg verbrachten. Das waren so in etwa zwei Stunden. Im Hellen hauten uns im wörtlichen Sinne nur die Explosionswellen vom Hocker. Na gut... Nicht nur die. Auch der Riesenkrater und der Fakt, dass die flüssige Lava aus vier und nicht nur einem Loch spruzt.
Im Dunkeln dagegen gab es ein solch spektakuläres Schauspiel, dass Fotos das ganze Ausmaß nur unzureichend darstellen können. Stellt euch all die schönen Feuerwerke vor, die ihr in eurem Leben schon gesehen habt. Die multipliziert ihr jetzt mit 87,3 und nehmt das Ergebnis noch einmal ins Quadrat. Dieses Ergebnis wiederum addiert ihr zu 295 und damit erhaltet ihr dann exakt ein Drittel der eigentlichen Schönheit dieses Naturschauspiels.
Ihr merkt schon, dass die Beschreibung eher schwierig ist, deswegen gibt's jetzt Fotos und ein Video. Bei jedem Knall sind alle Mädels übrigens immer kräftig zusammengezuckt - teilweise begleitet von quieken. Die Jungs hingegen haben gejubelt und den Berg angefeuert.






Mit diesem einzigartigen Erlebnis, einer 2 Stunden Wanderung im Tropenregen, einem sensationellen Abschlussschnorcheln und endlos vielen Eindrücken ging unser Vanuatu-Abenteuer nach 2 Wochen zu Ende.

Mit gemischten Gefühlen lassen wir dieses kleine Paradies also hinter uns. Zum einen behalten wir natürlich die beeindruckene Über- und Unterwasserwelt im Gedächtnis, die scheinbar grenzenlose Herzlichkeit der Menschen und das entspannte Leben.
Andererseits denken wir daran, dass vor allem auf Tanna versucht wird, möglichst viel Profit mit den Touristen zu machen, was die Freundlichkeit leider etwas in den Hintergrund rückte. Und - wie schon zu Beginn erwähnt - ist Vanuatu ein Entwicklungsland was noch einen weiten Weg vor sich hat.

Wir hoffen nur, dass Tourismus und westliche Einflüsse die so beeindruckende Kultur des Landes nicht zerstören.

Dienstag, 10. September 2013

Vanuatu - ein kleines Paradies im Pazifik

Kükenparadies

Wir starten mit den wichtigsten Fakten, damit ihr wisst wo wir hier eigentlich gelandet sind. Viel weiter weg von Deutschland können wir fast nicht mehr sein. Wir vermuten, dass die meisten inzwischen herausgefunden haben, wo Australien liegt. Wenn ihr den Globus nun noch etwas weiter nach links dreht, entdeckt ihr kurz vor der Datumsgrenze, nordöstlich von Australien, das kleine Pazifikparadies Vanuatu.
83 Inseln werden bewohnt von etwa 250.000 Menschen, von denen der Großteil die traditionellen Einwohner, die sogenannten ni-Vanuatu sind. Es gibt 200 Soldaten und 500 Polizisten. Aufgrund der Abgeschiedenheit durch den dichten Dschungel haben sich in all den kleinen Dörfern um die 120 verschiedenen Sprachen entwickelt. Offizielle Landessprachen sind aber Englisch, Französisch und das sogenannte Bislama, mit dem sich ni-Vans aus allen Landesteilen verständigen können. Bislama ist dem Englischen recht ähnlich und gar nicht so schwierig zu lernen. Die meisten Worte werden, ähnlich wie im Deutschen, exakt so gesprochen wie man sie schreibt.
Ein paar Beispiele: "Gudmoning" wäre dann "Good morning", "Skiusmi" übersetzt man mit "Excuse me" und "Tankyu tumas" dürft ihr selbst erraten :) Überrascht hat uns das Bislama-Wort für "Lügner" - "Kerman". Die Ähnlichkeit zu "German" ist kein Zufall und stammt aus der Zeit des 2. Weltkrieges...
Eine weitere sprachliche Besonderheit liegt eher im Mangel an Worten. Die ni-Vans haben es nämlich voll drauf nonverbal zu kommunizieren - mit Augenbrauenzucken, Lippenbewegungen usw. Und da erzählen die sich ganze Geschichten! Im Flugzeug hatten wir das schon erlebt, als die beiden Flugbegleiter jeweils an einem Ende des Flugzeugs standen und für uns unverständliche lautlose Mundbewegungen machten. Und plötzlich bringt die eine die bestellte neue Flasche Sekt. Beeindruckend :)
Auch witzig für uns sind die Busfahrer, die dir mit einem kurzen Augenzucken und Kopfdrehen sagen, dass das deine Haltestelle ist, an der du raus wolltest :)

Das Land ist vermutlich vor allem bekannt für sein Da-Sein als Schnorchelparadies und die beeindruckend vielfältige Kultur auf den unterschiedlichen Inseln. Vom land-diving hat man vielleicht schon gehört. Im Grunde handelt es sich dabei um Bungee-Springen, aber auf Vanuatu benutzt man dafür kein Gummiseil sondern - ganz traditionell - lianenartige Stricke. Damit feiert man die Yam-Ernte. Was Yam ist erklären wir gleich noch. Weitere Traditionen sind Tänze, rituelle Tiertötungen und - der Klassiker - Glaube an Schwarze Magie. Kannibalismus wurde 1848 offiziell abgeschafft. Inoffiziell?! Da gibt es verschiedene Meinungen :) Das Tragen "westlicher" Kleidung ist v.a. auf den nördlichen Inseln nicht an der Tagesordnung. Freischwingend lautet das Motto :)
In jedem der kleinen Dörfer, in denen oft weniger als 50 Leute wohnen (also kleiner als Bodenbach), gibt es einen Bürgermeister - der "chief". An den kann man sich mit seinen Sorgen und Wünschen wenden und Entscheidungen werden dann gemeinsam in der Diskussionsrunde am Montag Morgen getroffen.
Neben all dem Spaß und der spannenden Kultur sollte man nicht vergessen, dass die Inselgruppe Teil des pazifischen Feuerrings ist. Vulkane (mindestens 10 aktive) und Erdbeben gehören zum Alltag. Auch wir erlebten direkt in der Nacht unserer Ankunft ein Erdbeben mit. Im Bett liegend sag ich noch zu Tobi "Lieg still" woraufhin er entgegnet "Ich lieg still". Es war aber nur ein kleines Beben, von denen es hier oft mehrere täglich gibt. Da man selbst in Bewegung ist, bemerkt man sie meist gar nicht.

Und so sehr Vanuatu nun als Paradies beworben wird, sollte man nicht vergessen, dass es ein Entwicklungsland ist. Schlechte hygienische und gesundheitliche Bedingungen herrschen hier ebenso wie schlechter Zugang zu Elektrizität und fließendem Wasser. Bildungsangebote sind nicht überall oder nur mangelhaft vorhanden, was u.a. zu einer sehr hohen Analphabetenrate führt. Deutschland und einige andere Länder der Welt leisten hier somit täglich Großes in der Entwicklungshilfe und Freiwilligenhelfer trifft man an nahezu jeder Ecke.

Kommen wir zu unserer ersten Woche hier im Lande:
Die Ankunft im beschaulichen Flughafen war untermalt mit Begrüßungsmusik und wir mussten trotz angewöhnter australischer Gelassenheit noch eine ganze Ecke weiter abbremsen, um uns dem gängigen Inseltempo anzupassen. Dann ging's mit dem klapprigen Kleinbus in die Hauptstadt Port Vila. Die Busse sind hier etwas anders als in Deutschland. Es handelt sich um Kleintransporter, von denen die meisten beim deutschen TÜV wohl nicht mal rein kämen. Feste Haltestellen gibt es kaum, weshalb man dem Fahrer einfach beschreibt, wo man hin möchte. Da es sich aber um einen Bus und kein Taxi handelt, sollte man Umwege und eine - sagen wir - unbestimmte Fahrdauer in Kauf nehmen, denn die 5 anderen im Bus haben ja nicht zwangsläufig das gleiche Ziel wie du. Man darf sich auch nicht wundern, wenn der Fahrer auf dem Weg nochmal kurz anhält, um seinen Einkauf zu machen. Du wartest einfach so lange im Bus :) Für uns war der Umweg gar nicht schlecht, weil wir gleich ein bisschen von der Gegend gesehen haben. Wenn du aber als Nicht-Tourist früh pünktlich zur Arbeit kommen willst, entscheidest du dich besser für ein Quad. Das ist angesichts der kaputten Straßen auch viel praktischer.
Wir kamen also nach jener "unbestimmten Fahrzeit" im Stadtzentrum an. Für eine Landeshauptstadt geht es hier v.a. nach Einbruch der Dunkelheit sehr beschaulich zu. Der Vergleich mit Nossen drängte sich unweigerlich in unseren Kopf :) Erwähnt sei, dass der Einbruch der Dunkelheit dank Äquatornähe schon gegen 6 ist. Dann werden die Bordsteine hochgeklappt. Generell orientiert sich das Inselleben stark am Tageslicht - 6 bis 6 lautet das Motto. Früh raus, früh ins Bett - auf den weniger erschlossenen Inseln reine Frage nicht vorhandener Elektrizität. Auf Efate (die Insel auf der Port Vila liegt) haben viele Geschäfte schon ab 7 geöffnet. Ab Samstag Mittag ist dann fast alles geschlossen und Sonntag geht gar nüscht. Kirchentag :) Deswegen wird ab Freitag Mittag in den Geschäften auch kein Alkohol mehr verkauft. Damit Sonntag Morgen alle fit sind. Die christliche Kirche ist hier wirklich ein ganz großes Ding und spielt eine sehr zentrale Rolle. Alle kommen zusammen, singen und haben eine schöne Zeit. Klingt nach Spaß.
Große Ausnahme der Öffnungszeiten bildet der Markt an der Wasserfront im Stadtzentrum. Dort gibt es allerlei lokale Leckereien: Mangos, Papayas, wilde Himbeeren, Bananen, Kokosnüsse, Grapefruits,... alles frisch und lecker. Süßkartoffeln gibt's und Maniok und Gemüse ohne Ende. Und Yam. Das ist ein kartoffelähnliches Gewächs, welches zerrieben, mit Wasser vermischt und dann gedämpft wird. Lange. Leider auch ohne Gewürze, denn das traditionelle Inselessen kennt kaum Gewürze, v.a. kein Salz. Also... Yam wird gedämpft, gedämpft, gedämpft und ergibt am Ende ein Stück Teig mit der Konsistens einer zähen Kartoffel. Ohne Geschmack. Das fanden wir also nicht ganz so lecker. Aber wenn man Yam dann mit etwas Kokosmilch vermengt und zwischen Bananenblättern auf dem Feuer bäckt, dann wird's ganz gut. Das Ganze heißt dann Lap Lap Yam. *yam yam yam* :)
Ok... zurück zum Markt. Irgendwer muss all das leckere Zeug ja verkaufen. Das sind die Frauen, die von abgelegeneren Inseln kommen, um dann in der Hauptstadt ihre Waren anzubieten. Leider sind sie oft so arm, dass sie sich eine regelmäßige Heimfahrt für ca. 5€ nicht leisten können. Somit leben sie die ganze Woche zusammen mit ihren Kindern auf dem Markt, schlafen unter den Tischen und fahren nur Sonntag nach Hause, um am Familientag zur Kirche zu gehen. Und deswegen ist dieser Markt der einzige der 24 Stunden geöffnet ist.
Wir haben uns diesen Markt gleich am Ankunftstag genauer angeschaut, denn er lag direkt gegenüber von unserem Hostel. Abends folgte das Erdbeben - das wisst ihr ja schon - und am nächsten Tag sind wir zum Hideaway Island gefahren.
Dort durften wir das erste Mal pazifischparadiesische Unterwasserluft schnuppern. Schnorcheln war angesagt. Malaysia hatte uns ja damals schon vom Hocker gehauen, aber Vanuatu hat alles übertroffen. Wir könnten euch jeden einzelnen Fisch und jede Koralle und Muschel beschreiben, aber das würde euer Gehirn sprengen. Wir belassen es stattdessen bei "umwerfend", "unbeschreiblich" und "guckt's euch selber an" und picken uns einzelne Besonderheiten raus, die wir euch genauer beschreiben wollen.
Zum Beispiel die Seesterne. Die meisten kennen Patrick (wer ihn nicht kennt gehört einer weiseren Generation an und fragt in diesem Falle seine Kinder). Patrick ist rot und 5-armig. Das war auch meine Vorstellung von Seestern. Bis jetzt. Nun sind wir aber neben dem Hideaway Island auch zur Insel Erakor Schnorcheln gefahren und dort geht's seesterntechnisch richtig ab. 4 Arme, 5 Arme oder auch 6. Alles dabei. Und Farben haben die als gäb's keen Morgen. Rot, orange, weiß, gelb und sogar blau. Das hat uns aus unseren korallensicheren Badeschuhen gehauen.



Suchbild - wer findet alle Seesterne

Ab dem zweiten Tag haben wir wieder bei Couchsurfern gewohnt - zwei australische Mädels, die wie so viele andere an einem Freiwilligenhelfer-Programm teilnehmen. Sie haben uns in die Tradition des Kava-Trinkens eingeführt. Kava ist eine Wurzel, die zermalmt, gekocht und gesiebt wird. Die gewonnene Brühe wird mit Wasser vermischt und getrunken. Die Wirkung wird als entspannend bis berauschend beschrieben. Warum die das hier trinken ist uns nicht ganz klar. Die Farbbeschreibung von Kava ist mit "matsch" ganz gut getroffen und genauso schmeckt es auch - wie Schlammwasser. Man trinkt Kava aus kleinen Schalen und "auf Ex", dann wird der ganze Mund taub und man braucht je nach Stärke des Gemischs an die 3 bis 4 Schalen, um die angepriesene Wirkung zu erleben. Angesichts des Geschmacks hatten wir wenig Lust, so viele Schalen zu kippen, aber weil das Zusammensitzen so gemütlich war, sind wir 3 Abende in Folge mit unseren Gastgeber-Mädels mitgegangen. Die kleinen Kava-Bars werden übrigens als Nakamal bezeichnet und in Port Vila allein gibt es um die 200. Traditionell dürfen da auch nur Männer hin, aber hier auf der recht touristischen Insel Efate drückt man ein Auge zu. Interessant ist vielleicht noch, dass die Geräuschkulisse in einer Nakamal nicht besonders einladend ist, denn wegen des ekelhaften Geschmacks rotzen alle was das Zeug hält :)


Nachdem wir Hideaway und Erakor nur für einen Tag besucht hatten, wollten wir das richtige Inselleben etwas ausgiebiger kennenlernen. Es ging nach Pele. Der Weg dahin war gleich wieder ein Spaß für sich. Einen Bus finden ist leicht - man winkt ihn mit den Augenbrauen ran. Dann erklärt man wo man hin will und los geht's. Dann wurden wir aber plötzlich an irgendeiner Tankstelle abgeworfen, mit der Erklärung, dass der richtige Bus später kommt. Da standen wir. Orientierungslos. Verlassen. Nackt. Nee, Quatsch. wir haben also eine ältere Dame gefragt, ob sie weiß, welchen Bus wir nehmen müssen, um zur Bootsrampe im Norden der Insel zu kommen, von wo aus wir ja dann ein Boot nach Pele nehmen wollten. Sie hatte allerdings keine Ahnung, weshalb wir uns wieder für planlos rumstehen und abwarten entschieden. Der Busfahrer hatte aber anscheinend schon jemand anderen informiert, der da so an der Tanke rumstand - hier kennt ja irgendwie jeder jeden. Und dieser wildfremde Mann rief uns dann plötzlich ran, als ein Bus kam und meinte, das wäre unserer. Deutsch wie wir sind waren wir skeptisch - man könnte ja entführt oder ausgeraubt werden, oder beides. Aber am Ende ging alles gut und nach 45min Busfahrt waren wir an der Bootsrampe. Während der Fahrt haben wir uns noch mit dem chief eines Dorfes auf Pele angefreundet und er kannte natürlich Mark, in dessen Bungalow wir uns eingemietet hatten. Also hat uns Chief Tom ein Boot organisiert, dass uns zu Mark bringen sollte und wir dachten noch so "Hä? Wie sollen wir den denn auf der Insel finden?", aber jegliche Sorge war unnötig. Auf der Insel angekommen, entdeckten wir, dass sie super übersichtlich war. Nur 4 kleine Dörfer, keine Straßen, nichtmal Wege, nur Trampelpfade. Und natürlich kennt jeder Mark, der einen von 4 Touristenbungalows auf der Insel hat.


mit dem Boot nach Pele

Wahrscheinlich hätten wir in Port Vila schon sagen können, dass wir zu Mark nach Pele wollen und jeder hätte Bescheid gewusst.
Wir sind also bei ihm eingezogen und in die Bungalow-Besonderheiten eingewiesen wurden. Klo ist vorhanden, aber keine Spülung - dafür gibt's ja Eimer. Genauso verhält es sich mit der Dusche... Wie gesagt - fließendes Wasser ist rar, also wird mit Eimer geduscht. Strom gibt's auch nicht, aber immerhin eine kleine Solarlaterne zum Pipi gehen in der Nacht.
Begrüßt wurden wir überaus herzlich und mit einer frischen Kokosnuss.


unser Bungalow mit Pflanzenzaun


Mark's Enkelin schnappte sich gleich am ersten Abend den Reifen

Mark mit seiner Frau Miriam

Hatten wir erwähnt, dass der Bungalow direkt am Strand stand?! :)



Mark und seine Frau Miriam haben uns 3 Tage nach Strich und Faden verwöhnt. Im Gegensatz zum üblichen traditionellen Inselessen kann Miriam richtig leckere Sachen kochen. So mit Salz und so. Dreimal am Tag wurden wir gemästet. Zwischen den Mahlzeiten nahm uns Mark mit auf Inseltour - Besuche der anderen Dörfern, Kennenlernen seiner Schwiegermama, Wiedersehen mit Chief Tom und und und. Mit Stolz hat er uns ganz viele lokale Besonderheiten erklärt. Immer mit dabei - seine Machete :)

so sehen die meisten Hütten im Dorf aus

Marks Schwiegermutti beim Flechten der traditionellen Matten

Dorfschule

Hühner laufen überall frei rum; Müll und
Gartenreste werden regelmäßig verbrannt

Inselpapierkorb

die Quelle der Insel


Schnorcheln stand natürlich auch wieder auf dem Plan - wenn das Riff schon so rumliegt vor der Haustür :)




Immernoch staunend und fasziniert ging es Samstag zurück nach Efate. Pünktlich morgens um 6 versteht sich, sonst ist Ebbe :)

In den letzten Tagen haben wir uns überwiegend damit beschäftigt, Tobi's aufgesammelte Mittelohrentzündung gesund zu pflegen, damit wir wir heute nach Tanna fliegen können, um den lavaspuckenden Vulkan Mt.Yasur zu besteigen.

Seid alle ganz lieb gegrüßt in der schon fast herbstlichen Heimat... Wie die Zeit vergeht...

Sonntag, 8. September 2013

Sydney - Willkommen in der Zivilisation

Nach ganz viel Dorf, Bergen, Kühen und Landluft war es Zeit über Sydney herzufallen. Neben Sightseeing stand ja auch eine kleine Familienzusammenführung auf dem Plan und die Vorfreude war groß.
Als wir auf unserem Weg in die Stadt das erste Mal Harbour Bridge, Oper und Skyline entdeckten fühlten wir uns ein wenig wie Crocodile Dundee. Eine so bekannte Stadt und wir mitten drin.

Großstadtdschungel

Das Getümmel hatten wir allerdings recht schnell wieder satt, als es darum ging, die passenden öffentlichen Verkehrsmittel ins Stadtzentrum zu finden. Verständliche Beschilderung zählt nicht zu Australiens Stärken. Wenn man deutsche Haltestellen gewöhnt ist und sich hier dann erhofft einen Straßennamen an der Haltestelle zu finden, schnippt einem die Realität aber mal ganz fies an die Nase. Hier gibt's nur Nummern und die muss man auch erstmal finden. Großer Vorteil hier in Sydney jedoch - Busse fahren nicht nur aller drei Stunden :)
Nach ein bisschen Hektik und Fluchen haben wir's aber schließlich doch in die Stadt geschafft. Dort trafen wir meinen Bruder und Britta, seine Freundin. Im Viererpack ging's durch die Stadt - am ersten Tag noch etwas planlos und überwiegend auf der Suche nach leckerem Essen. Am zweiten Tag ging's aber auf großes Touri-Tour. Angefangen haben wir beim Bondi-Beach. Der ist wohl sehr berühmt für seine Surfer und keine Ahnung was noch, aus unserer Sicht wird das aber völlig überbewertet :) Wir besuchten ihn nur seiner öffentlichen Toiletten wegen und weil es Spaß macht, sein Frühstücksmüsli dort zu mampfen, wo sich andere schon am frühen Morgen in Fitnessgrüppchen auspowern :) Da wir nicht nur den Strand sehen wollten sind wir auch noch mit der Fähre gefahren. Da hatten wir einen prima Blick auf's Opernhaus und die bekannte Brücke.


Opernhaus und Harbour Bridge


Dann ging's ein bisschen wandern im Pinguin-Nationalpark. Blöd nur, dass die Pinguine nachtaktiv sind. Das hatten wir nicht bedacht :) Abgerundet wurde der Tag mit Besuchen im botanischen Garten, der Kunstgallerie und Kings Cross - die Dresdner Neustadt von Sydney. Die große Touri-Runde war damit schon abgehakt und somit konnten wir den nächsten Tag ganz entspannt angehen. Es stand noch ein gemütliches Abendessen mit Günther an. Das ist der liebe Österreicher, den wir noch aus Perth kennen. Er verbringt mit seiner Frau gerade ein paar Wochen in seiner Zweitwohnung in Sydney. Es gab also Bolognese, Sherry, lustige Geschichten, gute Laune und Wiedersehensfreude. Das war ein wirklich gelungener Abschluss unseres kurzen Sydney-Aufenthaltes.

Am nächsten Morgen wartete schon das nächste Abenteuer auf uns - VANUATU! Dieses ganz besondere Land hat sich einen eigenen Blog-Eintrag verdient :)

Zum Abschluss folgt wieder eine lustige Episode aus unserem Alltag: Das Zu-Bett-Gehen :)
Für Tobi ist das recht einfach. Zähneputzen, Schlafzeug an, einmummeln, Mütze auf, fertig.
Frauen brauchen bekanntlich länger und ich bin da keine Ausnahme. Nach dem Zähneputzen geht's also erstmal Pipi und es wird sich aus den Klamottenschichten geschält, die notwendig waren, um beim Lagerfeuer Betriebtstemperatur zu halten. Fleecejacke aus, Strickjacke aus, T-Shirt aus, Unterhemd aus. Dann wird geningelt, dass es zu kalt ist. Schlafunterhemd an. Kopf an der Autodecke stoßen und fluchen. Schlafpullover an. Schlaffleecehemd an. Fluchen, dass die Haare elektrisch geladen sind und an der Lippe kleben. Jogginghose aus. Socken aus. Feststellen, wie kalt der Fußboden ist. Äußern wie kalt der Fußboden ist und wie schön doch Sommer war. Schlafjogginghose an. Schlafsocken an. Ins Bett kriechen. Erste Decke aufklappen. Zweite Decke aufklappen. Fleecedecke um die Füße wickeln. Über die Kälte fluchen. Ningeln, weil die Fleecedecke nicht sitzt. Fleecedecke zurecht fummeln. Füße in den Schlafsack schieben. Alles zurecht zuppeln. Schlafsack bis zur Hüfte hochziehen. Nächste Decke um Schultern und Kopf wickeln. Schlafsack bis zum Kopf hochziehen, fluchend, weil die Schulterdecke verrutscht. Alles zurecht wurschteln. Reißverschluss zu. Erste Daunendecke zurückschlagen. Zweite Daunendecke zurückschlagen. Dabei Tobi aus Versehen den Ellenbogen ins Gesicht drücken. Unter den Decken nach unten rutschen bis der Kopf auf's Kissen passt. Fluchen, dass Schlaffleecehemd und Schlafpullover hochgerutscht sind. Alles wieder runterzuppeln. Gute-Nacht-Sagen. Bequeme Schlafposition finden. 3 Minuten später immernoch keine gefunden haben. Ningeln. Die perfekte Schlafposition finden. Feststellen, dass das Licht noch an ist und fluchen. Licht ausmachen. Wieder einmummeln. Versuchen zu schlafen. Bemerken, dass es nun doch zu warm ist. Schlafsackreißverschluss ein Stück aufziehen. Socken ausziehen. Mit den Füßen, versteht sich, denn der Oberkörper hatte ja schon die perfekte Position gefunden. Noch mehr einmummeln. Bei eintretender Stille feststellen, dass die Nase Quietschgeräusche beim Ausatmen macht. Naseputzen. Einummeln. Noch einmal auf die andere Seite drehen. Wieder einmummeln. Feststellen, dass man eigentlich noch gar nicht müde ist. Ausmummeln und Blog schreiben.
Wer zwischendurch das Gefühl hatte, das wären verdammt viele Klamotten und Decken, dem sei gesagt: Richtig! Das erklärt sich damit, dass wir in den Bergen einige Male Eis an der Decke des Autos hatten. Innen! Dank Einmummeln weckt uns also zumindest nicht mehr die Kälte, sondern nur noch die dicken Wassertropfen, die uns auf die Stirn platschen wenn's morgens taut :)

frostige Zeiten