Montag, 29. Juli 2013

Ich hab Jogurt im Kopf

Nach der guten Beratung in der Touristinfo wagten wir also den mutigen Schritt runter vom Highway ins gefährliche Landesinnere und landeten quasi direkt in absoluter Stille. Kaum Autos (also auch kein Stau mehr hinter uns) und kaum Leute.


... und kaum Wolken


Wenn wir uns den Campingplatz tatsächlich mit jemandem teilen mussten waren es nur noch Rentner und nicht diese partyverrückten jungen Leute ;-) Die Uhr tickt auch gleich ganz anders hier. Ab um 7 sind alle im Bett, dafür ist ab halb 6 morgens schon wieder jeder raus... außer uns :) Am ersten Tag gönnten wir uns eine Runde Ausschlafen und fanden uns beim Aufstehen halb 9 auf einmal mutterseelenallein auf dem Parkplatz wieder :)

Die Landschaft ist plötzlich wieder völlig anders und neben tollen Aussichten auf Berge, Kuhweiden und Pferdekoppeln gibt's jetzt riesengroße Kakteenbäumen am Straßenrand. Aber da ihr vielleicht schon genug davon habt, Landschaftsbeschreibungen und Wanderberichte zu lesen, erzählen wir lieber von ein paar anderen Abenteuern.

Angelabenteuer


Wanderabenteuer in der Cania Gorge -
fast wie im Elbsandsteingebirge


Da wäre zum Beispiel die Schildkrötenrettung. Während ich noch von den Kakteen fasziniert war, riss mich Tobi nämlich überraschend aus meinem Schwärmen mit dem Satz: "Da war 'ne Schildi auf der Straße". Ich dacht noch kurz ich hätte mich verhört (ja klar, 'ne Schildi auf der Straße), da hatte Tobi schon den Rückwärtsgang reingehauen und tatsächlich - da lag 'ne Schildi auf der Straße! Glücklicherweise hatte sie sich genau in der Straßenmitte dazu entschieden, alle Enden einzuziehen, ansonsten hätten die vorbeidonnernden Laster wahrscheinlich schon Brei aus ihr gemacht. Wir den armen gepanzerten Freund also erstmal von der Straße getragen und überlegt. Das geschulte Auge erkannte sofort, dass es eine Wasserschildi war (spätestens am Geruch hätte man's festgestellt). Laut Kartenmaterial gab es in der Gegend aber nur einen Fluss und der war grad leer. Wir hatten also die Wahl zwischen
 a) Schildi am Straßenrand zurücklassen - Überlebenswahrscheinlichkeit eher gering, v.a. wenn sie etwas verbimmelt zurück auf'n Asphalt watschelt
oder b) Schildi fachgerecht verpacken und ins Auto verfrachten, in der Hoffnung einen noch wasserführenden Tümpel entlang des Weges zu entdecken
So viel zu Überlegen gab's am Ende nicht und wir haben sie angesackt und mitgenommen. Ein paar Kilometer weiter gab's dann tatsächlich ein Wasserloch und Tobi hat sich todesmutig durchs hohe Gras gekämpft, um Edgar (so hatte er den Kleinen inzwischen getauft) in die Freiheit zu entlassen.

Freiheitskämpfer


Abends stellten wir bei der Internetrecherche übrigens fest, dass es sich um eine der bedrohten australischen Schlangenhalsschildkröten gehandelt hatte. Nun... eine mehr, die für Nachwuchs sorgen kann, um die Art zu erhalten.

Nächstes Abenteuer: Knüppelkuchen. Auch als Stockkuchen oder Knüppelteig bekannt. Man pampst ein bisschen Mehl mit Milch zusammen, Zucker rein und fertsch. Die Masse klebt sich jeder der Lust auf Nachtisch hat, an einen Stock und hält das ganze über's Feuer. Am Ende schmeckt's wie ein süßes Brötchen :) Den letzten Knüppelteig gab's bei mir vor etwa 15 Jahren im Ferienlager in Ungarn, bei Tobi ist es sogar noch bisschen länger her. Umso größer war die Freude nun und mit an Wahnsinn grenzender Euphorie wurde der Akt des Backens zelebriert *nom nom nom*


wohooo!!!! Knüppelteig!!!!



Am nächsten Morgen wachten wir übrigens bei eisigen 5°C auf und beschlossen, das mit dem Feuer jetzt wohl öfter zu machen :)

Ein Stückchen weiter auf unserem Weg entdeckten wir den Wuruma Stausee. Erwartet hatten wir wenig bis nichts, denn bisher hatte uns niemand etwas darüber berichtet. Aus einem "Wir fahren mal hin für ein zweites Frühstück" wurden am Ende aber tatsächlich drei wunderschöneTage, denn die Landschaft war - erneut - überwältigend. Kleiner Bonus neben toller Aussicht: wenig Andrang :) In der Tat scheint das Fleckchen ein kleiner Geheimtip zu sein. Praktischerweise ist das Übernachten auch noch kostenlos und somit hat der See es direkt auf Platz 1 unserer eigentlich nicht vorhandenen Top10-Liste geschafft :) Wo wenig Leute sind gibt's natürlich viel Natur - hier v.a. Schildkröten, Vögel und - das Gebiet des Stausees ist privates Weideland - Kühe. Neben den ornitologischen Freuden konnten wir nun also auch noch Wiederkäuer hinter unserem Van beobachten. Fetzt! :)

wenn's juckt...

unser Haus- und Hofkomoran beim Sonnenbaden


vor der Kamera und dahinter


Weitere Aktivitäten zum Zeitvertreib bestanden aus Kartenspielen beim Nachbarn, Selbstgebrannten verkosten bei anderen Nachbarn, Schwimmen im See, ganz viele Fotos knipsen und Sonnenbaden. Dank geschützer Lage und großer Entfernung zur Küste gibt's hier nämlich wieder milde Temperaturen und kaum noch Regen. Wir machten Knüppelteig und Foliekartoffeln im inzwischen allabendlichen Lagerfeuer, hörten Frösche knacken und Pelikane grunzen. Außerdem freuten wir uns über Sonnenuntergänge, Nebelschwaden über'm See bei Sonnenaufgängen und eine Milchstraße, die so gut zu erkennen ist, dass man sogar ihr Spiegelbild auf der Wasseroberfläche bewundern kann.


die Venus sagt noch Gute Nacht

morgendliche Aussicht

Not macht erfinderisch - nur weil Strom fehlt heißt das nicht,
dass es der Kaffee auch muss

Wenn's am Schönsten ist, soll man aber bekanntlich gehen, also dampften wir gestern schweren Herzens wieder ab. Die Rückkehr ist schon geplant, aber vorerst machen wir für 4 Tage an der Küste nördlich von Brisbane Halt. Der Ort heißt Noosaville und wahrscheinlich wären wir hier nie hergekommen... Aber ein gute Bekannte aus Perth hat zufällig eine Ferienwohnung und schlug uns vor, in dem kleinen Nobelörtchen mal für ein paar Tage dem Camperleben zu entfliehen. Da sagen wir nicht nein und als deutlich wurde, dass sie uns dazu einlädt sagten wir noch weniger nein.
Gelandet sind wir nun in einem 4,5 Sterne Resort und können gar nicht so richtig fassen, wie sehr das Glück doch auf unserer Seite ist.



Blick von einem der beiden Balkone



Blick durch die Wohnküche

Nach 1000x Danke sagen versuchen wir nun also dieses "Geschenk" einfach anzunehmen und freuen uns auf ein paar superentspannte Tage nach ohnehin schon superentspannten Tagen...


Kleiner Einblick in unseren lustigen Alltag zum Schluss:
ich: "Ich hab Jogurt im Kopf."
Tobi grinst zustimmend...
Und dabei wollte ich doch nur einen Vorschlag bringen, was es zum Nachtisch gibt...

Samstag, 20. Juli 2013

Ein Strand ist ein Strand ist ein Strand

Abgesehen von mangelnder Motivation anzuhalten (aufgrund mangelnder Infos, aufgrund mangelnder Kompetenz der Infozentrumsmitarbeiter - dazu später)... wo war ich... ja. aufgrund mangelnder Motivation zu rasten und vor allem auch, um die Autobatterie aufzuladen, damit wir wieder unseren tollen Kaffee schlürfen können, fuhren wir die 250km bis Townsville am Stück.


ein Stück ging's noch an der Kasuar-Küste entlang - immer schön vorsichtig :)

Wir haben Townsville dann besucht und festgestellt, dass Städte wohl nicht so unser Ding sind. Nach viel regenwaldigem grün und Landschaft mit Bergen wird man begrüßt vom freundlichen grau in grau des Gewerbegebiets. Wir verließen die Stadt nach 2 Stunden. Resultat: leckerer Kaffee, neue Schuhe und ein neues Bikinioberteil. Immerhin... :)

Dann ging's wieder ins Auto und weiter - Ziel: Whitsunday Coast - berühmt für weiße Strände, kristallklares Wasser und viele kleine Inseln. Viel tolles hatten wir gehört, können selbiges aber leider nicht so berichten. Dazu gibt es eine kurze Erläuterung: Ein Strand ist ein Strand. Und auch wenn der Strand ganz wunderschön ist, wenn man in den vergangenen Wochen schon ganz viele gesehen hat, ist es eben doch nur ein Strand. Es gibt Wasser, was ohne Frage sehr schön sein kann, aber eben auch immer wieder nur Wasser ist. Hin und wieder gibt es Korallen, aber an der Ostküste Australiens sind die leider oft weit weg vom Strand. Demzufolge konnten wir den Stränden gar nicht mehr so viel abgewinnen.
Außerdem ist es zu kalt zum Baden. Eine Tour zu den berühmten Whitsunday Inseln vor der Küste kostet ein kleines Vermögen und nach wie vor entscheiden wir uns lieber für Abendbrot :) Ende vom Lied: Mit der Whitsunday Coast sind wir irgendwie nie richtig warm geworden und unsere Beziehung war vorbei, bevor sie begann.

Hinzu kommt, dass all die tollen Budget-freundlichen Rastplätze in dieser Gegend scheinbar vergessen oder einfach mit "No camping"-Schildern versehen worden sind. Da blutet das Camperherz. Vorbei die Zeiten, des unbekümmerten Parkens mit Gleichgesinnten am Flussufer. Hier erwarten dich stattdessen malerische Teiche, mit Seerosen und Pferden im Hintergrund - davor ein großer Parkplatz, wie dafür gemacht, zu verweilen, Toiletten gibt es und sogar Picknicktische und ein BBQ... Und dann reißt dich das "NO CAMPING"-Schild aus den Träumen! In Großbuchstaben sogar! Als hätte man's in Kleinbuchstaben falsch verstehen können. Nun ja... Es geschieht sicher alles der Natur zuliebe und aus keiner bösen Absicht, und sicher erst Recht nicht, um den ollen Reisenden aus Spaß eins auszuwischen... Schade ist es trotzdem. Zumal du - man geht in Australien scheinbar davon aus, dass die Leute nicht selber denken können - aller paar Kilometer darauf hingewiesen wirst, dass Müdeigkeit am Steuer gefährlich ist, dass du Pause machen sollst usw usw... Parkplätze, um zu schlafen gibt es aber nicht mehr... Ein Dilemma.

So. Da sind wir schon wieder ein wenig vom Thema abgekommen :) Zurück zur Whitsunday Coast: Das Touristenmekka Airlie Beach haben wir in weiser Vorraussicht ausgelassen und sind stattdessen zum Hideaway Bay gefahren. Klang vielsprechend. War es auch. Ein schöner Strand mit ohne Menschen, dafür Inseln direkt vor der Küste und Sonne. Das war fein.
Damit haben wir unser Verlangen nach Strand aber erstmal gestillt und biegen nun ins Inland. Das ist irgendwie abwechslungsreicher und nicht so überfüllt.


Bevor wir den mutigen Schritt weg von der Küste wagten, wollten wir uns aber noch ein paar Infos in einem der zahlreichen Infocenter holen. Da trafen wir die Kompetenz in Person: eine ganz freundliche ältere Dame, die sich wirklich alle Mühe gegeben hat uns zu helfen, es am Ende aber irgendwie doch nicht konnte. Ein kurzer Zusammenschnitt unseres Gespräches (Gedächtnisprotokoll):

"Wo finden wir die Post?"
"Die ist etwas schwer zu finden. Ich hab sie auch erst vor Kurzem entdeckt - ich bin nämlich erst vor Kurzem hierher gezogen... von Sydney"

Hier haben wir uns das erste Mal gefragt, ob wir wohl die Antworten auf all unsere Fragen bekommen...
Es folgte eine umständlich lange Erklärung des eigentlich einfachen Weges, den wir mit aufmerksamen Augen auch allein gefunden hätten: Straße runter und an der Tanke links hätte als Erklärung auch genügt. Dann ging's weiter..

"Können Sie uns ein paar Infos zum Nationalpark geben?"
"Das ist sehr gefährlich dahin zu fahren. Haben Sie ein großes Auto? (guckt aus der Tür zu unserem Auto) Mit einem Caravan brauchen Sie's nämlich gar nicht erst versuchen. Das ist viel zu gefährlich! Die Straße ist total kurvig!"
"Das sollte mit unserem Auto kein Problem sein. Wir haben schon eine Karte von dem Weg dahin, aber wir wollten eigentlich ein paar Infos zu den Wanderwegen..."
"Die sind sehr gefährlich! Wenn Sie wandern dürfen Sie bloß nicht die Wege verlassen, das ist wirklich gefährlich! Es sind schon Leute verloren gegangen dort. Da sind schon welche gestorben!"

Man muss wissen, die Wanderwege sind hier im Schnitt so 1 bis 2km lang... :)

"Und wissen Sie ob wir da oben campen können? Muss man vorher was buchen?"
"Hm... Das ist eine gute Frage... Das weiß ich gar nicht. Ich muss da mal anrufen, glaub ich. Das haben mich jetzt schon so viele Leute gefragt. Ich weiß nicht ob man was buchen muss, aber campen kann man da."
"Und wissen Sie, wie das generell mit campen ist hier? Gibt es Rastplätze irgendwo am Straßenrand? Wir haben gar keine mehr gesehen..."
"Sie können nicht einfach am Straßenrand halten! Das ist viel zu gefährlich!"
"Doch. Das haben wir aber gemacht."
"Aber das ist viel zu gefährlich. Sie können da nicht einfach anhalten."
"Doch, da sind Rastplätze. Da kann man schlafen."

Völlig entsetztes Gesicht ihrerseits...

"Nein. Sie können da nirgendwo am Straßenrand halten. Da können Sie nicht schlafen. Das ist so gefährlich. Das ist verboten!"
"Aber nein. Wir haben da geschlafen. Das ist offiziell erlaubt. Das sind Rastplätze. Die hatten wir auf dem ganzen Weg von Perth bis hierher zur Ostküste."

Überraschtes Gesicht ihrerseits...

"Achso?! Hm... Na dann wissen Sie mehr als ich.."

Das dachten wir uns an dem Punkt auch, aber wir wollten ihr noch eine Chance geben...

"Und wenn wir Inland fahren wollen von hier nach Sydney? Gibt es da eine schöne Strecke?"
"Inland? Nein. Das ist viel zu gefährlich! Neben Sie lieber den Highway!"

Wie verlockend das doch auch klingt, so als Reiseziel... der Highway! :) Aber wir sind ja nicht so... Allerletzte Chance:

"Naja... Aber der Highway geht an der Küste lang. Wir wollen nicht an der Küste lang, wir wollen weiter im Landesinneren lang."
"Hm... Da kann ich Ihnen jetzt gar nicht so recht helfen. Dazu hab ich leider gar keine Infos. Aber Sie können ruhig selber nochmal in den Broschüren nachschauen..."

Wir haben dann selber nochmal geschaut, 2 dicke Broschüren über die groß ausgeschriebe Inland-Route gefunden und sind gegangen :)



Erster Stop auf unserem Weg war nun der Eungella Nationalpark - da gibt's ganz viele Schnabeltiere und wieder etliche Wanderwege.

die Landschaft ist geprägt vom Zuckerrohranbau

Zuckerrohrplantagen so weit das Auge reicht


Wir sind in einem urgemütlichen Buschcamp eingezogen. Name ist Programm: Die Duschen sind hier zum Regenwald hin offen und heißes Wasser gibt's nur, wenn jemand den Kamin anheizt.

Duschen mit Waldblick


Die Toilette im abenteurlich zusammengenagelten Klohäusel teilst du dir mit einigen großen Huntsman-Spinnen. Strom kommt entweder aus einer Autobatterie oder aus'm Generator und die Beleuchtung der Kochecke besteht aus Autoglühbirnen in Marmeladengläsern.



Hier wird Öko noch groß geschrieben :) Alle Bauten sind aus recycletem Holz gezimmert und der Opi, dem der Campingplatz gehört, lebt im Baumhaus und gönnt sich gern das ein oder andere 'Tütchen' - wahrscheinlich ganz umweltfreundlich im eigenen Gemüsegarten angebaut.
Die letzten zwei Tage waren wir also wandern: Regenwald, Wasserfälle, Felsen... Fetzt immer wieder auf's Neue :)

mutige Flussüberquerung auf'm Weg zum Camp




Und wir haben ganz viele Schnabeltiere entdeckt. Beim letzten Mal hatten wir ja nur eins gesehen und auch nur ganz kurz und in der Dämmerung. Aber diesmal wurden wir richtig gut unterhalten. Fast wäre das Schauspiel nicht mehr jugendfrei gewesen, denn wir hatten tatsächlich das Glück, ein Pärchen beim Vorspiel zu erspähen :)

zwei kuschelnde Schnabeltier


Wie niedlich die sind :)



Wir haben wieder ein kleines Video für euch gemacht, damit ihr wisst wovon wir reden, ohne dass wir uns mit wahrscheinlich ohnehin unzureichenden Beschreibungen den Mund fusselig erklären müssen :)



Wir haben übrigens auch erfahren, dass wir das zweite eierlegende Säugetier (das hatten wir in einem der letzten Blogs erwähnt) tatsächlich auch schon live und in Farbe gesehen haben. Der Schnabeligel von dem wir sprachen ist nämlich das Echidna. Davon hatten wir letztes Jahr eins gesehen, als wir in Hyden am Wave Rock waren.



der Kookaburra - den haben einige von euch schon in Briefmarkenform auf der Postkarte bekommen 
so richtige Berge haben die hier, mit besagten Serpentinen :)


Hatten wir eigentlich schon von unserer Reisegeschwindigkeit berichtet? Besonders schnell sind wir nicht, aber sagen wir mal so... Stau ist ja immer nur hinten doof, ganz vorne geht's. Ratet an welcher Stelle wir sind :)

Montag, 15. Juli 2013

Regnet halt im Regenwald

12m Regen pro Jahr... das sind 12.000 Liter pro m²... und wir mittendrin. Wir überlegen schon, ob wir auf Schlauchboot umsteigen :)

mit Regenschirm im regnerischen Regenwald

Wir haben uns vom Norden Queenslands gemütlich ein kleines Stück gen Süden bewegt. Nach 5 Wochen Tour und 8000km Strecke wurde es Zeit, unser tapferes Wägelchen zur Kontrolle beim Doktor vorzustellen - kerngesund der Kleine. Somit konnten wir uns bedenkenlos der spannenden Strecke vom Regenwaldnationalpark in Richtung Cairns widmen. Serpentinen haben die hier - da kommt man mehr als einmal in die Versuchung sich sein Frühstück nochmal angucken zu wollen :) Tobi findet's supi - er darf ja fahren :)
Auf dem Weg machten wir Halt im Bergdorf Kuranda. Ein Hoch auf die Frühaufsteher! Ab etwa um 10 fallen über den kleinen Ort nämlich Scharen von Touristen her und wollen konsumieren. Wir waren schon um 8 da und hatten einen sehr gemütlichen Kaffee in einem noch verschlafenen Regenwalddorf. Danach haben wir uns schnell vom Acker gemacht, um uns die großen Barron Wasserfälle anzugucken. Die sind in der Regensaison sicher noch fetziger, aber ganz so schlecht waren sie auch im halbtrockenen Zustand nicht.

sieht 'n bisschen aus wie Spaghetti auf'm Berg

Anschließend haben wir uns noch einmal kurz zurück ins Dorf gewagt, durch die Touristenhaufen geschaufelt und eine gute deutsche Bratwurst gemampft. Dabei haben wir übrigens ein texanisches Pärchen kennengelernt, welches gerade auf Australien- und Neuseelandtour ist. Ihren ganzen Jahresurlaub haben sie dafür geopfert. Jahaa... die kompletten 10 Tage!!! Da ist uns erstmal die Kinnlade runtergefallen. In Amerika gibt es keine Mindestgrenze für Urlaubstage, was bedeutet, dass man vor allem in den Niedriglohnjobs auch häufig gar keinen Urlaub hat! Wie gut wir's doch eigentlich haben...

Cairns haben wir wenig später auch einen Besuch abgestattet und konnten die Begeisterung anderer für diese Stadt gar nicht so recht verstehen. Vielleicht sind wir etwas verwöhnt oder haben einfach nur die falschen Ecken gesehen :) Jedenfalls sind wir schnell weiter - zurück in die Wildnis :)

Dabei haben wir den Walsh Pyramidenberg passiert. Ein knapp 1000m hoher Berg, der frei steht und damit einer der höchsten freistehen Berge auf der Welt ist :) Hochgewandert sind wir aber nicht.

die Walsh Pyramide von Ferne

Stattdessen ging's weiter bis Babinda - eine kleine Stadt, die sich damit rühmt, die regenreichste Australiens zu sein... hat sich extra für uns auch von ihrer nassesten Seite gezeigt. Eingerahmt wird das Örtchen von den zwei höchsten Bergen Queenslands, die mit bis zu 12m Regen pro Jahr ebenfalls rekordverdächtig sind. Jedenfalls gab's um Babinda wieder einen hübschen Nationalpark, dessen Attraktionen via Wanderweg erkundet wurden. Die 'Boulders' und die 'Josephine' Wasserfälle waren kleine Highlights. Eigentlich wieder "nur" Wasserfälle bzw. ein Fluss, aber es ist ja doch immer wieder ein wenig anders und der Weg durch den Regenwald ist jedes Mal einmalig. Heute morgen sind wir kurz nach Sonnenaufgang losgestiefelt, der Regen hatte gerade erst aufgehört und außer uns hat sich noch niemand auf den Weg gemacht. Fetzt! :) Ich könnt jetzt wieder losschmachten, aber ich soll nicht immer so übertreiben wurde mir gesagt :)


Kurvenlianen gibt's...
... und zickzack-Bäume

Märchenwald

die Josephine Falls

Das eigentliche Highlight neben all den tollen Wasserfällen und Dschungelwegen folgte vorgestern an der Etty Bucht. Der sagenumwobene Kasuar, den wir neben einigen anderen Wildtieren auch schon fast für eine fixe Idee der Australier gehalten hätten, um Touristen anzulocken... der Kasuar jedenfalls hat sich heut tatsächlich gezeigt. Kleiner Strandspaziergang und Maria ningelt schon, dass sie das Vieh jetzt endlich sehen will und als wären die Bitten erhört wurden, stapft er plötzlich aus'm Wald auf'n Strand. Und dann stapft er da so lang und mumbelt ganz unbekümmert seine Samen, stapft weiter, mumbelt weiter und wir immer hinterher und fleißig Fotos gemacht.

der Kasuar

Die Figur des flugunfähigen Federtiers (dessen Federn eher wie Fell aussehen) ist recht witzig: irgendwie gedrungen, zumindest solange er auf dem Boden rumpickt, und mit dicken, zu kurz scheinenden Beinen, dazu der große blau-rote Kopf, der ein bisschen so wirkt, als wäre er aus 'nem Comic.

der Kasuar von hinten

Lang machen kann sich der Piepmatz aber auch und wirkt, zu voller Größe aufgestellt, wirklich einschüchternd.

der Kasuar in voller Größe

Aber zu uns war er ganz lieb, ist mit seinen Dino-ähnlichen Riesenfüßen über'n Strand gewandert und hat zwei Italienern die Banane aus der unbeaufsichtigten Picknicktüte geklaut. So kann's gehen :)

der Kasuar beim Banane klauen

Vor unserem Auto hat er für die Kamera extra kurz posiert :)




14.07. Paronella Park, benannt nach José Paronella. Der Spanier hat sich 1930 seinen größten Traum erfüllt und sich sein eigenes kleines begrüntes Märchenschloss inklusive 5 Hektar Park geschaffen - in Eigenregie und von Hand! Jahrelange harte Arbeit haben sich gelohnt, und wer mal ganz romantisch heiraten will und den Klosterpark nicht gut genug findet, der kommt hierher :) Obwohl die Anlage durch Fluten und Zyklone stark gelitten hat, ist sie weiterhin für Touristen geöffnet und hat trotz sichtbarer Schäden keinesfalls an Charme eingebüßt. Man fühlt sich wie in eine längst vergangene Zeit versetzt und das im so jungen Australien. Statt mir hier die Finger an Beschreibungen wund zu tippen ist es aber sicher besser, euch einfach die Bilder zu zeigen :)





Schildis gab's auch im Park. Und Aale. ... finde den Aal :)

Flughunde beim Mittagsschlaf


Und nun geht's wieder wandern und immer fleißg weiter gen Süden. Heute erfuhren wir, dass in Sydney grad mollige unter 10°C herrschen... Wir werden uns wohl ganz viel Zeit lassen auf'm Weg nach unten :)

ok... 1. der schläft nur und 2. wir waren das nicht!


der war putzmunter

Mittwoch, 10. Juli 2013

Kaffeesachsen

Über 6000 Lieder haben wir auf unserem tragbaren Musikgerät, dass ich hier aus Copyright-Gründen nicht namentlich erwähne, aber v.a. Lydi weiß ganz genau wovon wir reden :) Jedenfalls sind da etliche Stunden Musik drauf. Wenn wir vom letzten Stand Broome ausgehen, sind wir inwzwischen über 4000km weiter (also wieder einmal um Deutschland rum), und eben genannte Musikauswahl wurde mehrfach hoch- und runtergehört.

Wir starteten in Broome am 23.06. - der Nachnachgeburtstagstag :) Es folgte eine lange Fahrt. Wir wanderten in der Geikie-Schlucht, welche ganz nett, aber verglichen mit vorangegangenen Schluchten wenig spektakulär war.
Es folgte eine lange Fahrt. Wir erlebten beeindruckende Vollmondaufgänge. Und es folgte eine lange Fahrt.

Vollmond. keine Sonne.

den großen Wagen gibt's tatsächlich auch hier - der Beweis!


26.06. Kununurra. Was wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Buchstaben wirkt, ist ein Ort kurz vor der Grenze zum nächsten Bundesstaat und gleichzeitig östlicher Ausgangspunkt für Ausflüge in die berühmte Kimberley-Region. Das ist eine Gegend, die auch wieder durch tiefe Schluchten und Wasserfälle geprägt ist. Für den besonderen Kick gibt's hier aber auch noch Krokodile. Einziges Manko dieser vielversprechenden Ecke Australiens ist, dass man sie nur via Allradfahrzeug erkunden kann. Die Miete eines solchen hätte uns eine Woche Abendbrot gekostet und somit entschieden wir uns gegen Natur, für Essen :)
Kununurra nun. Eine beschauliche Ortschaft, die von uns aber nur eiskalt ihrer Infrastruktur wegen ausgebeutet wurde - tanken, einkaufen, Wäsche waschen, Internet, Kaffeetrinken. Ein kurzer Spaziergang ins Grüne bzw. hier ja eher Rote, der Besuch einer Kunstgallerie mit weltweit einzigartigen Gesteinserscheinungen und Baden im See rundeten den Aufenthalt ab. Es folgte... eine lange Fahrt.
Wir wagten den Sprung in eine neue Zeitzone (plus noch eine Stunde) und betraten den Boden des Northern Territory. Vorerst mussten wir uns tatsächlich von unserem ach so ins Herz geschlossenen Western Australia verabschieden.
Die neue Umgebung begrüßte uns aber großzügig mit malerischen Landschaften und Ausblicken.

Affenbrotbaum bei Sonnenuntergang

Sonnenaufgang


Wir mampften unser Frühstücksbaguette gleich am ersten Tag am Flussufer, welches von den schon bekannten roten Felswänden eingerahmt war.



Jaja... so lässt sich's leben. Abgesehen vom Känguru und 2 großen Adlern umgab uns nur Wassergeplätscher und das Knuspern meines Knäckebrotes.
Wer rastet der rostet oder so ähnlich - also sind wir mit vollgestopften Bäuchen gleich wieder ins Auto gekugelt und es folgte - eine lange Fahrt.
Nächster Stop: Wasserfälle und warme Quellen. Wir gönnten uns eine Nacht auf 'nem Campingplatz mit Dusche und wanderten. Wie toll uns das Wandern hier gefällt. Vielleicht nehmen wir das als neues Hobby mit nach Hause.
Am nächsten Tag sind wir zu den Thermalquellen gefahren. 32°C im Wasser, 25°C draußen. Erfrischend wird's erst wenn man aus dem Wasser kommt :) Aber rein muss man trotzdem erstmal, denn das Wasser schimmert so verlockend blau...



Die Renter lassen sich fein auf ihrer Schwimmnudel flussabwärts treiben, die jungen Hüpfer arbeiten ein bisschen mit Armen und Beinen. Je näher man den handtellergroßen Spinnen einen Meter über der Wasseroberfläche kommt, desto schneller arbeiten auch die Ärmchen und Beinchen :)

Golden Orb Spider


War aber trotzdem toll.

Da wir aber noch viel vor hatten, sind wir - kaum getrocknet - gleich weiter zum nächsten Campingplatz. Wieder mit Dusche. Das Northern Territory hat uns wirklich verwöhnt!! Nahe des Roper Flusses haben wir unser Lager aufgeschlagen. So viel müssen wir eigentlich gar nicht aufschlagen. Eigentlich nur parken. Das fetzt immer dann am meisten, wenn man gleichzeitig mit jemand anderem ankommt und wir schon unseren frischen Kaffee aus dem Espressoautomaten schlürfen, während die Nachbarn noch ihren dreifach verschachtelten, doppelt auszieh- und verlängerbaren Camper aufklapputzeln, vernieten, anklöppeln und zusammenspeicheln müssen, um anschließend immernoch nicht entspannen zu können... denn vor die Tür muss natürlich noch die Schmutzfangmatte mit Heringen in den Boden gestampft werden. Wenn das alles sitzt wird sich eine weitere viertel Stunden dem Sonnensegel und Windschutz zugewendet und fertig ist das zweite Eigenheim. The australian way of camping. Wir haben in der Zwischenzeit wie gesagt unseren Kaffee, das interessante Schauspiel und wenn wir in Stimmung sind gehen wir auch nochmal fix baden, bevor die anderen überhaupt die Schuhe ausgezogen haben.
Da hab ich kurz den Faden verloren... Wir sind also auf dem tollen Campingplatz im Elsey Nationalpark angekommen und waren eine Runde im Roper River planschen bevor Tobi abends ein tolles Feuer für uns gemacht hat. HO! Feuer! Die Frau hütet die Höhle und kocht :)
Das Frühstück am nächsten Tag - 29.06. - wurde begleitet von Vogelpfeifen und Esel-iah :) Vor Sonnenaufgang sind wir aus dem Bett gerollt, um uns - deutsch-gemäß als erstes - ein Kanu auszuleihen und damit den Fluss unsicher zu machen. Der Fluss ist übrigens v.a. bekannt, weil er die weltweit größte Livistonia Rigida-Sammlung sein eigen nennen darf. Das sind Palmen, die sich ausgelassen am Ufer tummeln. Wir also rein ins Kanu, paddeln, raus aus'm Kanu, zu Wasserfällen wandern, zurück zum Kanu, rein ins Kanu, zurückpaddeln. Dank Gegenwind und Strömung etwas schwieriger als der Hinweg. Dafür hatten wir dann genug Hunger für ein riesen Plinsen-Mittag :) Unser Angelversuch endete übrigens wieder erfolglos :)

Kanutour


30.06. Eine weiterer Thermalpool versüßte uns den frischen Morgen. Wir haben sogar seine Quelle gesehen. Wir haben noch nie eine Quelle gesehen! Das war unsere erste. Für alle, die auch noch keine Quelle gesehen haben: entgegen all unserer Erwartungen kommt das Wasser nicht fontänenartig aus dem Boden oder einer Wand, sondern sprudelt ganz gemütlich aus dem Grund eines Miniteiches, um sich dann als Fluss durch's Grüne zu schlängeln. So sieht's aus! Als wir trocken und eine Erfahrung reicher ins Auto stiegen folgte - eine lange Fahrt.

01.07. Eine lange Fahrt. Highlights: ein größerer Ort mit Handyempfang und der Möglichkeit mit der Heimat zu telefonieren.
02.07. Eine lange Fahrt. Highlights: keine :)

Neben suizidal wirkenden Kängurus, die sich mit Vorliebe in der Dämmerung und Dunkelheit auf die Straße werfen, sahen wir Kühe, die unbeeindruckt und doch wirklich nicht ganz so helle wirkend in den Lichtkegel des Autos starrten ohne sich einen einzigen Zentimeter von der Straße zu bewegen. Viel interessanter sind da die Keilschwanzadler, die all die 'roadkills' am Straßenrand futtern. Große, große schwarze Vögel, mit Federhosen bis zum Knöchel und einer Flügelspannweite von ca. 1,5 Meter.
Und noch viel interessanter war das Zusammentreiben der Kühe. Der deutsche Bauer muss wissen, dass die Tiere hier nicht so eingefercht vor sich hin wiederkäuen, sondern v.a. im Outback geräumige 15ha haben. PRO KUH!!! Da brauchste dich nicht mit deinem kleinen Pony auf'm Weg machen, um alle einzusammeln. Da brauchste größere Geschütze. Zum Beispiel einen Hubschrauber :) Der treibt grob alle zusammen, den Rest machen dann die Farmer am Boden mit ihren Motorcross-Maschinchen. Fetzt! :)

03.07. Eine lange Fahrt. Die Grenze vom Northern Territory nach Queensland hatten wir bereits am Vortag passiert. Die nächste Zeitzone übrigens. Jetzt trennen uns ganze 8 Stunden von euch in Deutschland.
Jedenfalls haben wir nach der langen Fahrt endlich endlich die Zivilisation erreicht. Das war ein wirklich spannendes Erlebnis, denn nicht nur die Menschen- nein auch die Pflanzenzahl hat sich dramatisch gesteigert. Vom treuchen Outback kamen wir plötzlich in eine Gegend mit satten Wiesen. Alles grün hier. Alles!

Blick über die vulkangeformten Atherton Tablelands

Wir befinden uns in den sogenannten Atherton Tablelands - ein ehemaliges Vulkangebiet, jetzt Hoch- und zugleich gutes Farmland. Hier wächst alles. Wir wurden empfangen von Hügeln, Bergen, Serpentinen, Milchkühen und leuchtend grünen Wiesen. Ein bisschen wie Schweiz. Oder Lommatzscher Pflege mit Bergen. Tatsächlich sind das einzige, was die Gegend anders als die Heimat wirken lässt, die Bäume. Das berichtete uns sogar eine Dame aus der Gegend, die ihre Schweizer Schwiegereltern regelmäßig besucht. Meterhohe Farne, Palmen, riesengroße uns unbekannte Nadelbäume, Feigen usw usw... Und dann folgt das Paradies für'n Kaffeesachsen: Kaffeeplantagen, Kaffeeplantagen, Kaffeeplantagen. Die passende musikalische Untermalung hören wir seit wir hier ankamen mit großer Regelmäßigkeit und wollen euch den Hit nicht vorenthalten:
http://www.youtube.com/watch?v=9Nx2eVmhba8

Alles was du für ein "Schälchen Heeßen" brauchst wächst hier: Kaffee, Zucker, Milch. Wir also vorbei an all den Plantagen und dem Zuckerrohr weiter zu Mango-, Bananen-, Lychee-, Passionsfrucht- und Avocadofarmen. Dann gibt's noch Tee hier und Kartoffeln, Zwiebeln und eigentlich auch alles andere. :) Eine schöne Gegend.
Wasserfälle haben se natürlich auch und große Kraterseen, entstanden durch vulkanismusbedingte Explosionen.

die Zillie Falls


Oh... und Schnabeltiere gibt's hier. Eines der zwei eierlegenden Säugetiere auf der Welt (die anderen sind Schnabeligel). Mit Schnabel eben (entenähnlich) und Fell und im Wasser schwimmend. Sehr niedlich, wenn auch scheu, wie die meisten dieser wilden wilden Tiere hier :) Wasserschildis haben wir in den Seen entdeckt und einen superüberriesengroßen Feigenbaum, der über 500 Jahre alt ist!


'curtain fig'


Nieselregen hatten wir sogar auch - unser erster seit der Westküste :)
Neben all den tollen Sachen gibt es hier natürlich Menschen. Viele. Viele davon sind Reisende wie wir, die sich die gleichen tollen Sachen angucken wollen wie wir. Dann steht man jetzt also mit noch 7 anderen vor'm Wasserfall. Manchmal muss man sogar zum Duschen anstehen. Und natürlich muss man sich die Campingplätze nun auch mit 50 anderen teilen. Tobi findet's gar nicht schlimm, ich hingegen fühl mich ein bisschen wie die australische Kuh, die nach ihren großzügigen 15ha auf die deutsche Weide gesperrt wird :)

05.07. Wir waren in Mareeba. Das liegt noch in der gleichen Vulkan-Obst-Kaffee-Region, hat aber dank vorteilhafter Lage 300 Sonnentage pro Jahr. Eingerahmt wird es vom viertlängsten Gebirgszug der Welt ('Great Dividing Range' mit 3600km Länge), der sich von hier bis weit in den australischen Süden zieht.

Great Dividing Range von Ferne


Der sorgt für gutes Klima und somit für noch viel mehr Kaffee und Zuckerrohr und Mangos. Und Touristen :) Das haben die Ortsansässigen auch bemerkt und plötzlich muss man für Weinverkostungen viel Geld bezahlen, Wanderschluchten kosten Eintritt oder die Kaffeefarm bietet ihr Kaffeewissen nur noch im Austausch gegen 19$ in Form einer Tour an. Jaja... Die Ostseite ist wirklich anders als der uns vertraute Westen :) Gegen Tagesende fanden wir aber tatsächlich noch eine kleine abgelegene 'winery' die ihre Weine aus Obst herstellt. Da gibt's u.a. Passionsfrucht-, Wildkirsche- und Lychee-Weine und einen lieben Opi, der das Unternehmen führt und einem alles ganz genau erklärt - kostenlos und voller Leidenschaft.

Sumpfgebiet bei Mareeba


06.07. Wir haben den Daintree Nationalpark erreicht. Lasst uns mit den Fakten beginnen (die Leistungskontrolle zum erlernten Wissen folgt unangekündigt): Es handelt sich um ein Regenwaldgebiet unter UNESCO-Schutz des Weltnaturerbes. Dabei stellt das Gebiet um das "Kap des Trübsals" den weltweit ältesten noch intakten Regenwald dar.
Wikipedia sagt: "Auf nur 0,01% der australischen Oberfläche leben über 30% aller Säugetiergattungen, 65% der australischen Fledermaus- und Schmetterlingsarten und 20% der Vogelgattungen. Von den hohen Bäumen der Küste mit ihren Lianen, den flussnahen Mangrovenwäldern bis hin zu dem kleinblättrigen Bewuchs der Berge können 13 verschiedene Regenwaldtypen unterschieden werden."
Es tümmeln sich schier unendlich viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten. Allein von den Pflanzenarten wird behauptet, dass sie in ihrer Vielfalt die gesamte Flora Europas und Nordamerikas um Längen übertrifft. Eine klimatische Nische in der sich Farne, Blütenpflanzen und Insekten zum Teil immernoch auf dem gleichen Evolutionsstand wie vor 120 Mio. Jahren halten konnten. Das Kap verdankt seinen Namen James Cook, der 1770 vor der dortigen Küste mit seinem Schiff auf Grund lief. Eine weitere Besonderheit des Nationalparks kann hier erahnt werden: er liegt an der Küste und grenzt an das Great Barrier Reef - auch UNESCO-Erbe. Damit ist der Regenwald einer von wenigen auf der Welt, die direkt ans Meer grenzen.

Kommen wir zum spannenden Teil! Es gibt wieder Krokodile hier, gesehen haben wir aber immernoch keins. Manchmal vermuten wir, nur so zum Spaß, dass das alles Geschichten sind, die die Einheimischen erfinden, um die wirklich guten Wasserlöcher ungestört genießen zu können. Naja... Wir gönnen's ihnen :) Kasuare gibt es auch. Haben wir aber auch nicht gesehen. In unseren Büchern sehen sie aus wie Emus, haben aber einen blau-roten Kopf und ein schmuckes Hornhäubchen auf selbigen. Der Kasuar kommt mit truthahnähnlichen Hautgebaumel am Hals und einer Mischung aus scheuer Zurückhaltung, beim Zusammentreffen mit Menschen allerdings gern auch aggressionsähnlichen Zügen. Vielleicht war's ganz gut, dass wir keinen getroffen haben.
Tolle Insekten gibt's hier auch (Schmetterlinge haben die hier, das glaubt ihr nicht!) und natürlich etliche exotische Früchte. Lecker! Manche davon in Eisform. Auch lecker!

die Fledermausspinne, wie wir sie getauft haben



custard apple - sehr sehr lecker

yellow sapote - auch sehr lecker

mal kein Schokoeis heut...


Neben all den Tieren und Pflanzen, die an sich schon Erlebnis genug sind, haben wir aber auch noch was richtiges gemacht. Im Urwaldparadies kann man nämlich prima wandern und da wir das inzwischen beide ganz gern machen, sind wir richtig durchgestartet. 6km Touritour zum Eingewöhnen - zu Aussichtspunkten, Mangroven und zum Wasserloch, um dort mit 20 anderen zu planschen. Am nächsten Tag wagten wir uns an 11km: mit stürmisch-nassem Rückenwind, teils am Strand, teils im Wald, aber immer - allein! Wir haben am verlassenen Strand mit einigen Schlammspringern gerastet, um anschließend munter zurückzustiefeln. Nicht ohne den obligatorischen Sprung ins Wasserloch, versteht sich.

der kleine Tobi im großen Wasserloch

Riesenfarne gab's

der verlassene Emmagen Beach

ein Schlammspringer


Und gestern - wir waren so richtig in Fahrt - wollten wir auf'n Berg. Es ging durch den, bis auf einen Trampelpfad absolut unberührten Dschungel mit all seinen Schönheiten, aber auch Tücken. Man denke da an dornige Palmen oder Spinnen.

Riesenbambus

20m Farn in Baumform

'fan palm' - eine beeindruckende Palme, die sich anfühlt wie ein Stück Regenmantel

ein Blutegel

Riesenkröte


Es ging auf sagenhafte 650m hoch und kurz vor dem Ziel... drehten wir um. Das Wetter meinte es nicht besonders gut mit uns und auch die Blutegel, die sich an uns zu schaffen machten, waren nicht so der Brüller. Erschöpft aber glücklich machten wir uns nach 3 zauberhaften Tagen wieder auf den Rückweg, mit der Seilfähre über'n Fluss zurück in die Zivilisation und auf zu weiteren Abenteuern.
Etwas, was euch in der nassen Heimat beruhigen dürfte, soll nicht unerwähnt bleiben: wir waren im Regenwald, was bedeutet, wir hatten Regen. Jede Menge Regen sogar! Das Jahresmittel beträgt etwa 3000 Liter pro Quadratmeter, 2010 wurden sogar 6000!!! Liter gemessen. Deutschland dümpert bei ca. 600 Litern rum :)

Zum Schluss gibt's noch ein paar Extrafotos. Bis bald ihr Sonnenkinder :)

weißer Puschelbusch

pinker Puschelbusch

soursop-Frucht

keine Ahnung welche Frucht

große Blüte

und zum Schluss ein toller Sonnenuntergang im Outback :)