Montag, 3. September 2012

Unsere kleine Farm

Lange haben wir darauf gewartet, am Montag dann war es endlich soweit - unser erstes Outback-Abenteuer stand auf dem Programm. Wir sind knapp 400km landeinwärts gefahren - ein Katzensprung quasi - um das 400-Seelen-Dorf Hyden zu erreichen. Auf dem Weg dorthin gab es einen erstaunlichen Landschaftswandel zu bewundern: Anfangs war die Straße gesäumt von großen Obstplantagen, die dank des australischen Frühlings gerade angefangen haben, zauberhaft zu blühen. Nachdem uns das Navi dann sagte, dass wir die nächsten 300km nicht mehr abbiegen müssen, hatten wir auch genügend Zeit, um die sich anschließenden überraschend üppigen Laubwälder ausgiebig zu betrachten. Gefolgt wurden diese von hügeligen Rapsfeldern, die uns ein wenig Heimatgefühl vermittelten. Dann folgte das Bild von Outback, was wohl jeder im Kopf hat, wenn er an Outback denkt - roter Sand, ein paar große Bäume, ein paar kleine Bäume, viele tote Bäume, viele Steine und ansonsten eher… nichts! :) Zwischendurch überraschten uns immer wieder ein paar riesige sattgrüne Weiden mit Kühen oder Schafen und auf dem ganzen langen Weg bis zur Farm nach Hyden nur 2 Kängurus sowie sage und schreibe 3 Städte, wobei das Wort „Stadt“ hier geschmeichelt ist :)

Die Farm selbst lag exakt 16 km außerhalb von Hyden, weshalb wir sie im Dunkeln auch nicht allein finden konnten. Zumal die Hausnummer nur ein halbes A4-Blatt groß war und die Outback-Straßen natürlich keine Laternen haben :) Dort gab’s nach 5,5h Fahrt ein gigantisches Abendessen bei Familie Mouritz mit viel Fleisch (!!!) für Tobi und anschließend ein kuscheliges Bett im Van, was nach uns rief.
Am nächsten Tag ging die Farmarbeit los - Tobi durfte beim Kühe impfen, chippen und - Achtung - kastrieren zuschauen und helfen. Was für ein Spaß. Ich war hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Brechreiz, als Tobi mir erzählte, dass alles ohne Betäubung abläuft und der Hofhund so viele rohe, frische Nüsse futtern durfte, wie sein Magen fassen konnte.
Mich erinnerte das Farmleben stark an Kindertage - draußen spielen, Quatsch machen und toben und wenn de Muddi ruft, gibt’s Ahmdbrohd. Wie früher eben.
Die nächsten Tage bestanden dann aus Babysitten, Kühe fangen, Kühe pflegen, Hühner füttern, Kuhkacke vom Körper schrubben und Rumdüsen mit all den tollen Jungs-Spielzeugen namens Traktor, Quad und V8 - 4,5l :)
Donnerstag war’s dann ein kurzer Arbeitstag, denn nachmittags standen Wave Rock und Wildlife Park auf dem Plan. Und scheen war’s :) Den Wave Rock kann man recht kurz beschreiben - eindrucksvoll mit vielen, vielen tollen Wildblumen, die sich gerade jetzt im Frühling von ihrer besten Seite zeigen. Seht selbst!
Und der Wildlife Park war mindestens genauso prima - unsere langgehegten Wünsche wurden nämlich erfüllt: Esel kuscheln und Wombat streicheln. Das war toll! :)
Unser letzter Farmtag bot dann noch exakt zwei Highlights: Nachdem der Versuch, eine Kuhherde zusammenzutreiben missglückte, durften Tobi und ich ganz famer-like auf dem Hofpferd eine große Runde reiten. Also Tobi durfte reiten… ich war nicht ganz so geschickt, weshalb das Reiten eher bestand aus „auf dem Pferd sitzen und gucken, wo es so hinläuft mit mir“ :)

Für die landwirtschaftlich Interessierten unter uns gibt’s noch ein paar Fakten zur Farm: Sie gehört zum sogenannten „Wheatbelt“, also dem Weizengürtel des Landes und ist 20.000 Hektar groß. Ich hab das gegooglet - das sind mehr als 20.000 Fußballfelder oder auch 200km², also so richtig groß! :) Bis zum Nachbarn fährt man etwa 10km. Auf zu Hause angewendet, bedeutet das, dass zwischen Eula und Bodenbach absolut nichts steht, außer Bäume.


Als wir Samstag dann wieder in Perth ankamen, waren wir erstmal wieder geschockt vom Stadtleben. Um uns noch ein bisschen Farm-Feeling zu erhalten, waren wir deshalb gestern gleich noch Angeln. Tobi hat neben zwei Steinen sogar drei Fische gefangen. Drei Kugelfische. Aber immerhin :)

Jetzt kommen noch Fotos. Bis bald ihr Lieben im bald herbstlichen Deutschland :)