Freitag, 14. Juni 2013

Nordwärts

Poetischer Exkurs…

Inzwischen wissen wir was „Weite“ heißt. Unser Auto trägt uns über endlose Geraden. Kilometerlange Kurvenfreiheit. Links und rechts nichts als gras- und buschbewachsene Ebenen die mit dem Horizont zu verschwimmen scheinen. Die Landschaft ist gespickt mit Termitenhügeln. Rotbraune Erde steinhart aufgetürmt, stellenweise bis zu 2 Meter hoch. Eifrige kleine Insekten folgen einem inneren Instinkt und legen nach immer gleichem Muster Wolkenkratzer an. Ziegen gibt es. Viele Ziegen. Genaugenommen haben wir inzwischen mehr Ziegen gesehen als Kängurus.  Falls uns doch mal ein felliger Beutler über den Weg „lief“, dann lag er tot und aufgebläht am Straßenrand. Hin und wieder entdecken wir Emus, meist aber nur noch mehr Ziegen. Oder Schafe. Oder Kühe. Trocken ist es außerdem. Das Navi zeigt links und rechts unseres Wegverlaufes blau an. Wo blau sein müsste allerdings… nur rote Erde. Flussbetten sind ausgetrocknet bis auf den letzten Tropfen und Seen inzwischen bewachsen mit Gräsern und Büschen. Falls sich doch irgendwo noch ein Resttropfen Wasser versteckt hält, wird es sofort enttarnt von den leuchtend grünen Bäumen in seiner Nähe. Und wir fahren und fahren und fahren…

Termitenhügel

"das schaff ich noch!" rief das Schaf und rollte los :)


Was unseren Reiseverlauf betrifft:
Auf dem Weg in den Norden machten wir Halt in der „Hutt River Province“. Im April 1970 gegründet zählt sie als größter und einziger unabhängiger Staat auf dem australischen Kontinent. Früher war es Bürgern möglich, bei drohendem Landverlust und ökonomischer Not aus dem Commonwealth auszutreten. Prinz Leonard tat dies erfolgreich, jedoch nicht ohne auf harten Widerstand der australischen Regierung zu treffen. Er führte eine eigene Währung, Reisepässe und Briefmarken ein. Die Staatsbürgerschaft gibt’s für 250AU$ im Jahr. Auch wenn die Provinz auf dem Papier anerkannt ist, wird ihre Existenz ein wenig unter den Teppich gekehrt. Oder habt ihr den Staat schon mal auf irgendeiner Weltkarte entdeckt?!



Trotz langer Wege passieren wir recht wenige Städte. Falls doch eine kommt ist sie eher klein und verschlafen – noch kleiner und verschlafener als Nossen.

Kaffee im Outback


Den Shell Beach haben wir besucht - dieser kleine Abstecher kostete uns 160km Umweg. Bei knapp 2$ pro Liter Diesel überlegen wir uns solche Abstecher jetzt aber immer zweimal :) Wobei der 120km lange, schneeweiße und nur aus Muscheln  bestehende Strand durchaus als „sehenswert“ zu betiteln ist. Die winzigen Kalkschalen sind teilweise bis zu 4m hoch aufgeschichtet und geben Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf warum sie sich gerade hier so rasch und in so großer Menge anhäufen.

Muscheln, Muscheln, Muscheln


Am Mittwoch sind wir im Cape Range Nationalpark nahe Exmouth angekommen. Rote Sandsteinschluchten bilden einen perfekten Kontrast zum azurblauen Korallenriff vor der Küste. Die Landschaft bietet das charakteristische Bild aus Gräsern, Büschen, roter Erde und Termitenhügeln. Emus gibt’s hier auch. Und Kängurus sind hier lebend und in großer Zahl vertreten, was erstaunlich ist, wenn man bedenkt wie spontan sie doch immer wieder vor Autos über die Straße hüpfen. Dazu findet man noch etwa 16 weitere Arten von Säugetieren, die wir aber noch nicht alle entdeckt haben. Die Vogelvielfalt ist nicht zu verachten, genauso wie die Insektenwelt. Gefühlte 2/3 von letzterer haben wir in den vergangenen zwei Nächten bereits im Van beherbergt.



Das Korallenriff bietet, was ein Korallenriff bieten kann. Fische in allen denkbaren Formen, Farben und Größen, Manta- und andere Rochen, Schildkröten, Riffhaie… und Walhaie! - denen widmen wir uns gleich gesondert :)
In seinen Ausmaßen kleiner als das Great Barrier Reef steht der Ningaloo Marine Park seinem großen Bruder in Sachen Schönheit in nichts nach. Aufgrund des verhältnismäßig gering ausgeprägten Tourismus sind die Korallenbänke vergleichsweise zudem viel besser erhalten.

Auf dem Weg zum Nationalpark passierten wir übrigens 13 ominöse Sendemasten. Diese gehören dem Militär, wie sich herausstellte. Mit bis zu 387m Höhe sind sie in der Lage, Signale von hier bis an die Küste von San Francisco zu schicken - an ein sich in 30m Tiefe befindliches U-Boot! Wow! :)

Gestern waren wir nun mit den Walhaien schwimmen. Die bekommen aber ihren eigenen Blogeintrag :)

Sonnenaufgang über dem Cape Range Nationalpark


sternenklare Nächte! die Milchstraße in ihrer vollen Pracht

"The Big Dish" - ein Überbleibsel von den Apollo-Missionen 1969

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