Dienstag, 10. September 2013

Vanuatu - ein kleines Paradies im Pazifik

Kükenparadies

Wir starten mit den wichtigsten Fakten, damit ihr wisst wo wir hier eigentlich gelandet sind. Viel weiter weg von Deutschland können wir fast nicht mehr sein. Wir vermuten, dass die meisten inzwischen herausgefunden haben, wo Australien liegt. Wenn ihr den Globus nun noch etwas weiter nach links dreht, entdeckt ihr kurz vor der Datumsgrenze, nordöstlich von Australien, das kleine Pazifikparadies Vanuatu.
83 Inseln werden bewohnt von etwa 250.000 Menschen, von denen der Großteil die traditionellen Einwohner, die sogenannten ni-Vanuatu sind. Es gibt 200 Soldaten und 500 Polizisten. Aufgrund der Abgeschiedenheit durch den dichten Dschungel haben sich in all den kleinen Dörfern um die 120 verschiedenen Sprachen entwickelt. Offizielle Landessprachen sind aber Englisch, Französisch und das sogenannte Bislama, mit dem sich ni-Vans aus allen Landesteilen verständigen können. Bislama ist dem Englischen recht ähnlich und gar nicht so schwierig zu lernen. Die meisten Worte werden, ähnlich wie im Deutschen, exakt so gesprochen wie man sie schreibt.
Ein paar Beispiele: "Gudmoning" wäre dann "Good morning", "Skiusmi" übersetzt man mit "Excuse me" und "Tankyu tumas" dürft ihr selbst erraten :) Überrascht hat uns das Bislama-Wort für "Lügner" - "Kerman". Die Ähnlichkeit zu "German" ist kein Zufall und stammt aus der Zeit des 2. Weltkrieges...
Eine weitere sprachliche Besonderheit liegt eher im Mangel an Worten. Die ni-Vans haben es nämlich voll drauf nonverbal zu kommunizieren - mit Augenbrauenzucken, Lippenbewegungen usw. Und da erzählen die sich ganze Geschichten! Im Flugzeug hatten wir das schon erlebt, als die beiden Flugbegleiter jeweils an einem Ende des Flugzeugs standen und für uns unverständliche lautlose Mundbewegungen machten. Und plötzlich bringt die eine die bestellte neue Flasche Sekt. Beeindruckend :)
Auch witzig für uns sind die Busfahrer, die dir mit einem kurzen Augenzucken und Kopfdrehen sagen, dass das deine Haltestelle ist, an der du raus wolltest :)

Das Land ist vermutlich vor allem bekannt für sein Da-Sein als Schnorchelparadies und die beeindruckend vielfältige Kultur auf den unterschiedlichen Inseln. Vom land-diving hat man vielleicht schon gehört. Im Grunde handelt es sich dabei um Bungee-Springen, aber auf Vanuatu benutzt man dafür kein Gummiseil sondern - ganz traditionell - lianenartige Stricke. Damit feiert man die Yam-Ernte. Was Yam ist erklären wir gleich noch. Weitere Traditionen sind Tänze, rituelle Tiertötungen und - der Klassiker - Glaube an Schwarze Magie. Kannibalismus wurde 1848 offiziell abgeschafft. Inoffiziell?! Da gibt es verschiedene Meinungen :) Das Tragen "westlicher" Kleidung ist v.a. auf den nördlichen Inseln nicht an der Tagesordnung. Freischwingend lautet das Motto :)
In jedem der kleinen Dörfer, in denen oft weniger als 50 Leute wohnen (also kleiner als Bodenbach), gibt es einen Bürgermeister - der "chief". An den kann man sich mit seinen Sorgen und Wünschen wenden und Entscheidungen werden dann gemeinsam in der Diskussionsrunde am Montag Morgen getroffen.
Neben all dem Spaß und der spannenden Kultur sollte man nicht vergessen, dass die Inselgruppe Teil des pazifischen Feuerrings ist. Vulkane (mindestens 10 aktive) und Erdbeben gehören zum Alltag. Auch wir erlebten direkt in der Nacht unserer Ankunft ein Erdbeben mit. Im Bett liegend sag ich noch zu Tobi "Lieg still" woraufhin er entgegnet "Ich lieg still". Es war aber nur ein kleines Beben, von denen es hier oft mehrere täglich gibt. Da man selbst in Bewegung ist, bemerkt man sie meist gar nicht.

Und so sehr Vanuatu nun als Paradies beworben wird, sollte man nicht vergessen, dass es ein Entwicklungsland ist. Schlechte hygienische und gesundheitliche Bedingungen herrschen hier ebenso wie schlechter Zugang zu Elektrizität und fließendem Wasser. Bildungsangebote sind nicht überall oder nur mangelhaft vorhanden, was u.a. zu einer sehr hohen Analphabetenrate führt. Deutschland und einige andere Länder der Welt leisten hier somit täglich Großes in der Entwicklungshilfe und Freiwilligenhelfer trifft man an nahezu jeder Ecke.

Kommen wir zu unserer ersten Woche hier im Lande:
Die Ankunft im beschaulichen Flughafen war untermalt mit Begrüßungsmusik und wir mussten trotz angewöhnter australischer Gelassenheit noch eine ganze Ecke weiter abbremsen, um uns dem gängigen Inseltempo anzupassen. Dann ging's mit dem klapprigen Kleinbus in die Hauptstadt Port Vila. Die Busse sind hier etwas anders als in Deutschland. Es handelt sich um Kleintransporter, von denen die meisten beim deutschen TÜV wohl nicht mal rein kämen. Feste Haltestellen gibt es kaum, weshalb man dem Fahrer einfach beschreibt, wo man hin möchte. Da es sich aber um einen Bus und kein Taxi handelt, sollte man Umwege und eine - sagen wir - unbestimmte Fahrdauer in Kauf nehmen, denn die 5 anderen im Bus haben ja nicht zwangsläufig das gleiche Ziel wie du. Man darf sich auch nicht wundern, wenn der Fahrer auf dem Weg nochmal kurz anhält, um seinen Einkauf zu machen. Du wartest einfach so lange im Bus :) Für uns war der Umweg gar nicht schlecht, weil wir gleich ein bisschen von der Gegend gesehen haben. Wenn du aber als Nicht-Tourist früh pünktlich zur Arbeit kommen willst, entscheidest du dich besser für ein Quad. Das ist angesichts der kaputten Straßen auch viel praktischer.
Wir kamen also nach jener "unbestimmten Fahrzeit" im Stadtzentrum an. Für eine Landeshauptstadt geht es hier v.a. nach Einbruch der Dunkelheit sehr beschaulich zu. Der Vergleich mit Nossen drängte sich unweigerlich in unseren Kopf :) Erwähnt sei, dass der Einbruch der Dunkelheit dank Äquatornähe schon gegen 6 ist. Dann werden die Bordsteine hochgeklappt. Generell orientiert sich das Inselleben stark am Tageslicht - 6 bis 6 lautet das Motto. Früh raus, früh ins Bett - auf den weniger erschlossenen Inseln reine Frage nicht vorhandener Elektrizität. Auf Efate (die Insel auf der Port Vila liegt) haben viele Geschäfte schon ab 7 geöffnet. Ab Samstag Mittag ist dann fast alles geschlossen und Sonntag geht gar nüscht. Kirchentag :) Deswegen wird ab Freitag Mittag in den Geschäften auch kein Alkohol mehr verkauft. Damit Sonntag Morgen alle fit sind. Die christliche Kirche ist hier wirklich ein ganz großes Ding und spielt eine sehr zentrale Rolle. Alle kommen zusammen, singen und haben eine schöne Zeit. Klingt nach Spaß.
Große Ausnahme der Öffnungszeiten bildet der Markt an der Wasserfront im Stadtzentrum. Dort gibt es allerlei lokale Leckereien: Mangos, Papayas, wilde Himbeeren, Bananen, Kokosnüsse, Grapefruits,... alles frisch und lecker. Süßkartoffeln gibt's und Maniok und Gemüse ohne Ende. Und Yam. Das ist ein kartoffelähnliches Gewächs, welches zerrieben, mit Wasser vermischt und dann gedämpft wird. Lange. Leider auch ohne Gewürze, denn das traditionelle Inselessen kennt kaum Gewürze, v.a. kein Salz. Also... Yam wird gedämpft, gedämpft, gedämpft und ergibt am Ende ein Stück Teig mit der Konsistens einer zähen Kartoffel. Ohne Geschmack. Das fanden wir also nicht ganz so lecker. Aber wenn man Yam dann mit etwas Kokosmilch vermengt und zwischen Bananenblättern auf dem Feuer bäckt, dann wird's ganz gut. Das Ganze heißt dann Lap Lap Yam. *yam yam yam* :)
Ok... zurück zum Markt. Irgendwer muss all das leckere Zeug ja verkaufen. Das sind die Frauen, die von abgelegeneren Inseln kommen, um dann in der Hauptstadt ihre Waren anzubieten. Leider sind sie oft so arm, dass sie sich eine regelmäßige Heimfahrt für ca. 5€ nicht leisten können. Somit leben sie die ganze Woche zusammen mit ihren Kindern auf dem Markt, schlafen unter den Tischen und fahren nur Sonntag nach Hause, um am Familientag zur Kirche zu gehen. Und deswegen ist dieser Markt der einzige der 24 Stunden geöffnet ist.
Wir haben uns diesen Markt gleich am Ankunftstag genauer angeschaut, denn er lag direkt gegenüber von unserem Hostel. Abends folgte das Erdbeben - das wisst ihr ja schon - und am nächsten Tag sind wir zum Hideaway Island gefahren.
Dort durften wir das erste Mal pazifischparadiesische Unterwasserluft schnuppern. Schnorcheln war angesagt. Malaysia hatte uns ja damals schon vom Hocker gehauen, aber Vanuatu hat alles übertroffen. Wir könnten euch jeden einzelnen Fisch und jede Koralle und Muschel beschreiben, aber das würde euer Gehirn sprengen. Wir belassen es stattdessen bei "umwerfend", "unbeschreiblich" und "guckt's euch selber an" und picken uns einzelne Besonderheiten raus, die wir euch genauer beschreiben wollen.
Zum Beispiel die Seesterne. Die meisten kennen Patrick (wer ihn nicht kennt gehört einer weiseren Generation an und fragt in diesem Falle seine Kinder). Patrick ist rot und 5-armig. Das war auch meine Vorstellung von Seestern. Bis jetzt. Nun sind wir aber neben dem Hideaway Island auch zur Insel Erakor Schnorcheln gefahren und dort geht's seesterntechnisch richtig ab. 4 Arme, 5 Arme oder auch 6. Alles dabei. Und Farben haben die als gäb's keen Morgen. Rot, orange, weiß, gelb und sogar blau. Das hat uns aus unseren korallensicheren Badeschuhen gehauen.



Suchbild - wer findet alle Seesterne

Ab dem zweiten Tag haben wir wieder bei Couchsurfern gewohnt - zwei australische Mädels, die wie so viele andere an einem Freiwilligenhelfer-Programm teilnehmen. Sie haben uns in die Tradition des Kava-Trinkens eingeführt. Kava ist eine Wurzel, die zermalmt, gekocht und gesiebt wird. Die gewonnene Brühe wird mit Wasser vermischt und getrunken. Die Wirkung wird als entspannend bis berauschend beschrieben. Warum die das hier trinken ist uns nicht ganz klar. Die Farbbeschreibung von Kava ist mit "matsch" ganz gut getroffen und genauso schmeckt es auch - wie Schlammwasser. Man trinkt Kava aus kleinen Schalen und "auf Ex", dann wird der ganze Mund taub und man braucht je nach Stärke des Gemischs an die 3 bis 4 Schalen, um die angepriesene Wirkung zu erleben. Angesichts des Geschmacks hatten wir wenig Lust, so viele Schalen zu kippen, aber weil das Zusammensitzen so gemütlich war, sind wir 3 Abende in Folge mit unseren Gastgeber-Mädels mitgegangen. Die kleinen Kava-Bars werden übrigens als Nakamal bezeichnet und in Port Vila allein gibt es um die 200. Traditionell dürfen da auch nur Männer hin, aber hier auf der recht touristischen Insel Efate drückt man ein Auge zu. Interessant ist vielleicht noch, dass die Geräuschkulisse in einer Nakamal nicht besonders einladend ist, denn wegen des ekelhaften Geschmacks rotzen alle was das Zeug hält :)


Nachdem wir Hideaway und Erakor nur für einen Tag besucht hatten, wollten wir das richtige Inselleben etwas ausgiebiger kennenlernen. Es ging nach Pele. Der Weg dahin war gleich wieder ein Spaß für sich. Einen Bus finden ist leicht - man winkt ihn mit den Augenbrauen ran. Dann erklärt man wo man hin will und los geht's. Dann wurden wir aber plötzlich an irgendeiner Tankstelle abgeworfen, mit der Erklärung, dass der richtige Bus später kommt. Da standen wir. Orientierungslos. Verlassen. Nackt. Nee, Quatsch. wir haben also eine ältere Dame gefragt, ob sie weiß, welchen Bus wir nehmen müssen, um zur Bootsrampe im Norden der Insel zu kommen, von wo aus wir ja dann ein Boot nach Pele nehmen wollten. Sie hatte allerdings keine Ahnung, weshalb wir uns wieder für planlos rumstehen und abwarten entschieden. Der Busfahrer hatte aber anscheinend schon jemand anderen informiert, der da so an der Tanke rumstand - hier kennt ja irgendwie jeder jeden. Und dieser wildfremde Mann rief uns dann plötzlich ran, als ein Bus kam und meinte, das wäre unserer. Deutsch wie wir sind waren wir skeptisch - man könnte ja entführt oder ausgeraubt werden, oder beides. Aber am Ende ging alles gut und nach 45min Busfahrt waren wir an der Bootsrampe. Während der Fahrt haben wir uns noch mit dem chief eines Dorfes auf Pele angefreundet und er kannte natürlich Mark, in dessen Bungalow wir uns eingemietet hatten. Also hat uns Chief Tom ein Boot organisiert, dass uns zu Mark bringen sollte und wir dachten noch so "Hä? Wie sollen wir den denn auf der Insel finden?", aber jegliche Sorge war unnötig. Auf der Insel angekommen, entdeckten wir, dass sie super übersichtlich war. Nur 4 kleine Dörfer, keine Straßen, nichtmal Wege, nur Trampelpfade. Und natürlich kennt jeder Mark, der einen von 4 Touristenbungalows auf der Insel hat.


mit dem Boot nach Pele

Wahrscheinlich hätten wir in Port Vila schon sagen können, dass wir zu Mark nach Pele wollen und jeder hätte Bescheid gewusst.
Wir sind also bei ihm eingezogen und in die Bungalow-Besonderheiten eingewiesen wurden. Klo ist vorhanden, aber keine Spülung - dafür gibt's ja Eimer. Genauso verhält es sich mit der Dusche... Wie gesagt - fließendes Wasser ist rar, also wird mit Eimer geduscht. Strom gibt's auch nicht, aber immerhin eine kleine Solarlaterne zum Pipi gehen in der Nacht.
Begrüßt wurden wir überaus herzlich und mit einer frischen Kokosnuss.


unser Bungalow mit Pflanzenzaun


Mark's Enkelin schnappte sich gleich am ersten Abend den Reifen

Mark mit seiner Frau Miriam

Hatten wir erwähnt, dass der Bungalow direkt am Strand stand?! :)



Mark und seine Frau Miriam haben uns 3 Tage nach Strich und Faden verwöhnt. Im Gegensatz zum üblichen traditionellen Inselessen kann Miriam richtig leckere Sachen kochen. So mit Salz und so. Dreimal am Tag wurden wir gemästet. Zwischen den Mahlzeiten nahm uns Mark mit auf Inseltour - Besuche der anderen Dörfern, Kennenlernen seiner Schwiegermama, Wiedersehen mit Chief Tom und und und. Mit Stolz hat er uns ganz viele lokale Besonderheiten erklärt. Immer mit dabei - seine Machete :)

so sehen die meisten Hütten im Dorf aus

Marks Schwiegermutti beim Flechten der traditionellen Matten

Dorfschule

Hühner laufen überall frei rum; Müll und
Gartenreste werden regelmäßig verbrannt

Inselpapierkorb

die Quelle der Insel


Schnorcheln stand natürlich auch wieder auf dem Plan - wenn das Riff schon so rumliegt vor der Haustür :)




Immernoch staunend und fasziniert ging es Samstag zurück nach Efate. Pünktlich morgens um 6 versteht sich, sonst ist Ebbe :)

In den letzten Tagen haben wir uns überwiegend damit beschäftigt, Tobi's aufgesammelte Mittelohrentzündung gesund zu pflegen, damit wir wir heute nach Tanna fliegen können, um den lavaspuckenden Vulkan Mt.Yasur zu besteigen.

Seid alle ganz lieb gegrüßt in der schon fast herbstlichen Heimat... Wie die Zeit vergeht...

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